Vortrag von Dr. Georg Hill, DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück,
anlässlich der 59. Kreuznacher Wintertagung 2015
Das Jahr 2014 wird den Winzern nicht nur wegen der besonderen Witterungsverhältnisse, sondern vor allem durch das erstmals massenhafte Auftreten der eingeschleppten Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) in Erinnerung bleiben. Die wirtschaftlichen Schäden kamen überwiegend durch die Essigfäule an den reifen Trauben zustande, die aufgrund der feuchten und warmen Verhältnisse im August und September enorm begünstigt wurde. Erhöhte Werte von flüchtiger Säure in den Fassweinen können aber nicht einfach dem neuen Schädling in die Schuhe geschoben werden. Die hier dargestellte Analyse der Verhältnisse von 2014 zeigt Lösungsmöglichkeiten zur Reduzierung der Essigfäuleproblematik und gibt Hinweise, wie wir das Schadpotential speziell durch die Kirschessigfliege im bevorstehenden Rebschutzjahr 2015 einschränken können.
Frühe Reife und hohe Feuchte führt zu Essigfäule
Das Weinjahr 2014 brachte Wetterkapriolen, die sich bis in den Mittelmeerbereich hinein markant auswirkten. Wechselbäder der Gefühle durchlitten nicht nur die Winzer im Verlauf der Vegetationsperiode. Bis Juni ein totales Trockenjahr, kam es in der zweiten Jahreshälfte zu ergiebigen Niederschlägen. Das Zusammentreffen von reifen Trauben, hohen Niederschlägen und feucht-warmen Verhältnissen ähnelte stark dem Jahrgang 2006, wie er sich damals in der Pfalz und im südlichen Rheinhessen darstellte. Bekanntlich war dort die Essigfäule bei den später reifenden Sorten bis hin zum Riesling ein enormes Problem. So geschah es wieder 2014 und inzwischen zeigen auch einige Weißweinpartien erhöhte Werte von flüchtiger Säure. Den eigentlichen Schock verursachten dann bei vielen Rotweinsorten, darunter auch Dornfelder, der Befall durch die neu eingeschleppte Kirschessigfliege (Drosophila suzukii). Ansonsten blieben die Rebkrankheiten verhalten.
Die Peronospora machte sich als Folge der Bodentrockenheit erstmals um den 20. Juli bemerkbar. Auch die Bekämpfung des Oidiums gelang besser als in den Vorjahren, weil die kühle und trockene Zeit vor der Blüte Infektionen aus den Wintersporen weitgehend verhinderte. Örtlich gab es allerdings einige „hot spots“ in Anlagen mit Zeigertrieben. Wo dies nicht rechtzeitig erkannt wurde, kam es auch parzellenweise zu beträchtlichem Traubenbefall. Leider mussten wir feststellen, dass die Wirkung der Strobilurin-Fungizide noch weiter abgenommen hat.
Neuer Feind des Rotweins: Die Kirschessigfliege
Dazu trat ein neuer Schädling auf den Plan: Bei den frühen Rotweinsorten zeigte sich in der Nähe von verletzten Trauben schlagartig ab Mitte August die kürzlich eingeschleppte Kirschessigfliege (KEF). Ihre Fähigkeit zum aktiven Anbohren der gesunden Beerenhaut und der nachfolgenden Eiablage in das Fruchtfleisch machen den neuen Schädling zu einem Existenzproblem für den Anbau von Kirschen, Zwetschen und sämtlichen Arten von Beerenobst. Im Raum Ingelheim hatte man in den Kirschanlagen den Verlauf des Befalls ab Ende Juni drastisch vor Augen. Dementsprechend aufmerksam wurden die Trauben beobachtet. Glücklicherweise erwiesen sich die Erfahrungen aus Norditalien mit der KEF auch bei uns als zutreffend: Die Eiablage erfolgt nur ganz selten in grüne Früchte und deshalb gab es bei den weißen Rebsorten kaum Probleme. Auch scheint erst ein Reifegrad um etwa 55 °Oe die KEF zur Eiablage an den Trauben zu stimulieren.
Etliche Partien von Portugieser und Dornfelder gingen wegen erhöhter flüchtiger Säure verloren. Bei allen Rotweinsorten wurde eine Vorauslese der essigfaulen Trauben per Hand obligatorisch. Dabei zeigte sich die altbekannte Erfahrung, dass Trauben mit Quetschungen oder Fraßschäden rasch in Essigfäule übergehen, lockere Trauben dagegen länger gesund bleiben. Überraschenderweise erwies sich unter den Rotweinsorten ausgerechnet der lockerbeerige und fäulestabile Dornfelder als extrem KEF-anfällig.
Wer die Lese zu lange verzögerte und auf die altbekannte Stabilität des Dornfelders vertraute, erlebte auch in späten Gemarkungen üble Überraschungen. Als stark anfällig müssen neben Portugieser auch Acolon, Cabernet Dorsa und teilweise auch Regent gelten. Demgegenüber zeigten sich die lockeren Spätburgunderklone trotz feststellbarer KEF-Eiablage relativ stabil, was u. a. auch für die Sorten Merlot, Domina, Lemberger sowie Cabernet Sauvignon zutrifft. Als Folge der Vorauslesen und Verzicht auf Beerntung in Einzelflächen hat sich 2014 das Dornfelderangebot am Markt reduziert, was anziehende Preise zur Folge hatte. Während es so am Fassweinmarkt durchaus einen finanziellen Ausgleich gab, benachteiligte die erzwungene frühere Lese vor allem die Flaschenweinvermarkter. Die Schwellen für Premium-Mostgewichte wurden trotz aller Anstrengungen der selektiven Handlese oft nicht erreicht. Man darf daher die Kirschessigfliege mit Fug und Recht als Erzfeind der Rotweinqualität und der späten Lese bezeichnen.

Essigfäule an Weißweintrauben
Bei den Weißweinsorten gab es im Nachhinein betrachtet glücklicherweise kaum Schäden durch die Kirschessigfliege selbst. Doch auch hier kam es häufig zu Problemen mit Essigfäule, wenn die Trauben Quetschstellen aufwiesen. Nach den Starkregen am 20. und 21. September, die im Alsenztal sogar ein Jahrhunderthochwasser auslösten, kam es verbreitet zu weiterem Aufplatzen der Beeren und nachfolgend auch bei den späteren Weißweinsorten zu steigendem Botrytisbefall, der selbst bei Riesling zunehmend in Essigfäule überging. Das Bewusstsein, dass nichts mehr aufzuheben sei, bestimmte ab Anfang Oktober den weiteren Ernteverlauf. Alles in allem lagen die Mengenerträge im langjährigen Mittel und die Fassweinerzeuger profitierten von stabilen Weinpreisen. Viele Flaschenvermarkter haben die gesetzten Ziele im Rotweinbereich nicht erreicht.
Insgesamt ist das Jahr 2014 bei uns um etwa 2,5 °C zu warm ausgefallen bei gleichzeitig 25 % mehr Sonnenscheinstunden als normal und 10-15 % mehr Niederschlag. Unser Klima rutscht allmählich immer weiter nach „Süden“ und damit gewinnen die Probleme der wärmeren Weinbaugebiete zunehmende Bedeutung im Bereich Rheinhessen-Nahe. Neben der gerade angekommenen Kirschessigfliege stehen weitere Schaderreger vor der Tür. Die Gesunderhaltung unserer Reben wird sich in Zukunft noch erheblich aufwändiger gestalten. Doch zunächst gilt es dem neuen Schädling Kirschessigfliege zu begegnen.
Die Kirschessigfliege – Herkunft und Lebensweise
Die Kirschessigfliege (KEF, Drosophila suzukii) stammt ursprünglich aus dem subtropischen Ostasien. Schon seit den 1930iger Jahren liegen wissenschaftliche Untersuchungen zu dieser Taufliegenart vor, die mit unserer heimischen Essigfliege (Drosophila melanogaster) eng verwandt ist und leicht mit ihr verwechselt werden kann. Lediglich die Männchen der KEF sind durch den auffälligen Punkt auf den Flügelspitzen mit bloßem Auge leicht zu unterscheiden.
Eigentlich ist es geradezu ein Wunder, dass die KEF nicht schon viel früher zu uns gelangt ist. Aus genetischen Untersuchungen ergab sich nämlich, dass die Fliege zunächst um 1980 von Asien nach Hawaii gelangte und von dort vermutlich erst um 2007 mit befallenen Früchten nach Kalifornien kam. Der Verdacht besteht, dass dies durch Lieferung befallener Früchte geschehen sein könnte. Auffällig ist, dass bereits 2008 nämlich die KEF in Spanien, Israel sowie am Schwarzen Meer gesichtet wurde. Erste Fänge im Anbaugebiet Baden datieren von 2011.
Die Fliege sucht Früchte mit roter oder dunkler Pigmentierung auf, vermag mit einer Sägeschneide am Eilegeapparat die gesunde Oberhaut anzuritzen und in den entstandenen Spalt ihre Eier abzulegen. Die heimische Essigfliege (Drosophila melanogaster) kann dagegen intakte Früchte nicht befallen. Die gesamte Entwicklung des Insekts hängt stark von der Temperatur ab. Unter warmen Verhältnissen dauert es von der Eiablage bis zum Schlupf einer neuen, erwachsenen Fliege nur 8-9 Tage, bei niedrigen Temperaturen bis zu 31 Tage. Unter 9,5 °C erfolgt keine Eiablage im Freiland. Die adulten Fliegen selbst sterben bei minus 2 °C ab und können daher bei uns nur in frostgeschützten Verstecken überwintern, wobei sehr milde Winter eine große Zahl der Tiere überleben lassen, wie zuletzt 2013 / 2014 geschehen.
Trauben sind schlecht für die Vermehrung
Die Kirschessigfliege kann bei uns viele Früchte befallen, wobei Efeubeeren eine erste, notdürftige Nahrung im zeitigen Frühjahr darstellen. Die Beerenfrüchte unterscheiden sich erheblich in ihrer Eignung für die Larvenentwicklung. Geradezu optimal sind Kirschen, Heidelbeeren, Himbeeren und Brombeeren. Schlecht geeignet sind glücklicherweise die Weintrauben, auf denen in der Regel 90-99 der KEF-Eier zugrunde gehen. Durch die Untersuchungen von 2014 wissen wir, dass die Eier der KEF sich bei Mostgewichten unter 55- 60 °Oe kaum entwickeln können und absterben. Die Zahl der Eiablagen sagt daher an sich noch nichts über den Schaden aus. Spätburgunderbeeren scheinen die Ei-Entwicklung fast bis in die Überreife der Beeren hinein wirksam zu unterdrücken. Demgegenüber geht dieser Effekt bei Dornfelder offenbar ziemlich rasch verloren. Es handelt sich möglicherweise um eine Abwehrreaktion des Gewebes, bei welcher die Eier eingekapselt werden und zugrunde gehen. Interessanterweise findet dieser Abwehreffekt kaum noch statt, wenn die Trauben vom Stock abgeschnitten sind. Eine Anregung dieser fruchteigenen Abwehr durch aufgespritzte Substanzen dürfte ein lohnendes Ziel zukünftiger Forschungsarbeiten sein. Interessanterweise konnten wir an den Eiablagestellen nie Botrytis beobachten. Möglicherweise besitzen die Weibchen der KEF ein Sekret, das die Wunde vor Schimmelpilzen schützt. Auch wenn Larven aus den Eiern schlüpfen, gehen diese in Weinbeeren meist zugrunde. Vermutet wird dabei Sauerstoffmangel in der safterfüllten Röhre, welche die Tiere sich in das Fruchtfleisch fressen. Ähnlich wie Robben unter einer Eisdecke müssen die Larven nämlich immer wieder an die Einbohrstelle zurückkriechen, um Luft zu schöpfen. Klar ist aber, dass sich nach Fraßbeginn relativ schnell wilde Hefen und Essigbakterien im Fruchtfleisch der Beeren entwickeln, die z. T. sogar schäumende Gärung auslösen können. Für die Vermehrung der Art könnten Trauben aber eher eine Sackgasse in der Entwicklung sein, weil auch der größte Teil der Larven sich nicht zu adulten Tieren entwickeln kann.
Der Befallsdruck scheint sich in der Regel nicht im Inneren der Weinberge aufzubauen, sondern die Fliegen kommen von außen, oft von Gehölzen oder Sträuchern. Eine Wanderung der Tiere kann mit dem Wind auch über größere Entfernungen erfolgen. Nachgewiesen ist in Weinbergen in Südtirol, dass mit zunehmender Nähe zu Wald und zu Steinobst der Befall zunimmt. Es gibt also auch im Rebgelände „hot spots“, die stärker gefährdet sind.
Beschädigungen der Trauben verhindern
Zur Reduzierung der Schäden durch die KEF an den Rotweinsorten sind alle Maßnahmen geeignet, welche die Eiablage an den Trauben verringern oder die abgelegten Eier an der Entwicklung hindern. Die Fliegen werden stark angelockt durch gärende Flüssigkeiten und Essiggeruch. Wenn die Trauben gesund sind und ansonsten auch ohne Oidiumbefall, Wespenfrass und Vogelfrass heranreifen, findet man nur sehr wenige Kirschessigfliegen im Bestand und dementsprechend gering ist die Eiablage. Grundsätzlich begünstigt sind Lagen mit verzögerter Reife, in denen der Befall später auftritt und dann auch später im Herbst bei niedrigeren Temperaturen stattfindet, wenn die Eiablage-Aktivität der KEF stark vermindert ist. Ein Horror-Szenario bilden dagegen Rebanlagen, die an Obstplantagen mit Kirschen, Gärten oder Waldstücke angrenzen. Ähnliche Effekte kann aber auch ein Nachbar verursachen, der Frühsorten wie Siegerrebe, Ortega oder Optima anbaut, die erfahrungsgemäss Frassschäden durch Vögel und Wespen erleiden und rasch Essigfäule entwickeln, was grossflächig die KEF anlockt. Die KEF legt auch an Weißweintrauben Eier in beschädigte Beeren ab. Dort ist aber auch rasch die gewöhnliche Essigfliege D. melanogaster im Spiel und vermehrt sich sofort in Massen.
Maßnahmen zur Befallsminderung
Als relativ einfache und erfolgreiche Kulturmaßnahme zur Vergrämung der schattenliebenden Fliegen aus der Traubenzone hat sich die beidseitige Entblätterung erwiesen. Diese muss bis zum Färben der Trauben erfolgt sein. Damit wird eine Reduzierung der Eiablage und eine Befallsverzögerung erreicht, die bei Dornfelder 2014 im Vergleich eine um 8-10 Tage spätere Lese ermöglicht hat. Die Wirkung der Entblätterung ist weniger effektiv, wenn fraßbedingte Verletzungen an den Trauben die KEF-Weibchen in Massen anlocken. Eine Einnetzung gegen Vögel bringt allerdings Beschattung und steigert damit wieder die Eiablage der Fliegen. Als einziges wirksames Insektizid zur direkten Bekämpfung der Kirschessigfliege steht uns Spintor (Wirkstoff Spinosad) zur Verfügung. Spinosad ist weltweit einer der besten Wirkstoffe gegen die KEF. In der Praxis ist damit zu rechnen, dass die Wirkung gegen erwachsene Fliegen aber nur etwa 24 Stunden anhält. Allerdings besteht eine Wirkung auf abgelegte Eier und auch Larven über einen Zeitraum von 5-6 Tagen. Geschlüpfte Larven kommen in bestimmten Abständen aus den Einbohrstellen wieder an die Oberfläche und nehmen dabei den äußerlich applizierten Wirkstoff auf.
Ein Sicherheitsprogramm auf Insektizidbasis für anfällige Rotweinsorten muss bei etwa 58-60 °Oe starten und in wöchentlichem Abstand fortgesetzt werden, wobei beidseitig exakt zu behandeln ist. Die Vollkosten pro Spritzung belaufen sich aktuell auf ca. 120,- €/ha. Zu beachten ist die – wegen der Gär- und Geschmacksbeeinflussung – auf 14 Tage festgesetzte Wartezeit von Spintor. Für Fassweinvermarkter, die ohnehin bei Erreichen der Grenzmostgewichte ernten können, dürfte der Insektizideinsatz wirtschaftlich kaum lohnend sein, zumal gegen Essigfäule mit Wirkungsgraden von nur um etwa 50 % zu rechnen ist.
Der eigentliche Schaden durch die Kirschessigfliege kommt über die Essigfäule an den Trauben und nachfolgend erhöhte Werte an flüchtiger Säure im Most zustande. Insofern kann es sinnvoller sein, in eine Vorauslese der essigfaulen Trauben von Hand zu investieren, als auf die unsichere Wirkung von Spinosad zu bauen.
Problemlagen finden sich in der Regel in der Nähe von größeren Gehölzen, Bereichen mit starkem Bewuchs durch Brombeeren und überall dort, wo Vogelfraß früh einsetzt. Beschädigungen der Trauben durch Wespen sind oft in der Nähe von Ortsrändern ein Problem, welches zur Anlockung der KEF führt. Hier ist fallweise nur mit mehrfachem Einsatz von Insektiziden und Handauslese eine spätere Ernte zu gewährleisten. Falls der Befallsdruck aber weiter hoch bleibt, ist dort nur die Umstellung auf später reifende Weißweinsorten oder eventuell lockerbeeerige Klone von Spätburgunder eine langfristige Lösung. Auch Lemberger, Merlot und Cabernet Sauvignon haben sich 2014 als robust erwiesen.
Zusammenfassung
Essigfäule war 2014 bei vielen Rebsorten das Thema des Jahrgangs ähnlich wie zuletzt 2006. Bei den Rotweinsorten, insbesondere Dornfelder, richtete erstmals die Kirschessigfliege (KEF) erhebliche Schäden an. Da die KEF sich außerhalb der Reben vermehrt und erst bei 55-60 °Oe auf Trauben übergeht, sind vorbeugende Insektizidbehandlungen im Juli / August wirkungslos. Die Massenvermehrung der KEF erfolgt überwiegend an Kirschen, Brombeeren und Himbeeren. Die Nähe zu den Hauptwirtspflanzen, aber auch zu Wald mit Büschen im Unterwuchs erhöht erheblich das Befallsrisiko an den Trauben. Das Überleben der kälteempfindlichen KEF hängt von der Witterung im Winter ab, wobei Werte von -8 °C über mehrere Tage hinweg unterschritten werden sollten, um die Wintergeneration wirksam zu dezimieren.
Ansonsten ist immer noch kaum bekannt, welche Faktoren dazu beitragen, dass die Populationen begrenzt bleiben. Heiße und trockene Witterung im Spätsommer ist nachteilig für die KEF. Der Kirschanbau bildet das Frühwarnsystem für den Weinbau, weil dort der Befall bereits im Juni beginnt. Aktuell gehen wir davon aus, dass beim Ausbleiben einer längeren Frostperiode auch 2015 wieder mit einem starken Befall an den Rotweinsorten zu rechnen ist.
Weißweinsorten einschließlich Grauburgunder erlitten 2014 kaum wirtschaftliche Schäden und sind anscheinend weitgehend sicher. Bei allen Rotweinsorten gelten 2015 besondere Vorsichtsmaßnahmen hinsichtlich der Hygiene im Traubenbereich: Spätestens bei Färben der Trauben muss die Traubenzone beidseitig entblättert sein, weil die KEF besonnte, warme Bereiche meidet. Oidiumbefall ist kritisch, weil abgeschorfte, befallene Beeren leicht platzen, in Essigfäule übergehen und die Eiablage der Fliege stimulieren. Gärende Flüssigkeiten und Essiggeruch locken die Weibchen der KEF immer an. Trester aus Frühlesen darf deshalb nur auf Ackerland in größerer Entfernung von den Reben ausgebracht werden. Quetschstellen in den Trauben sind bei allen Sorten / Klonen mit dicht gepackter Traube Ansatzstellen für frühe Essigfäule. Maßnahmen zur Traubenauflockerung wie frühe Entblätterung oder der Einsatz von Gibb3 / Regalis sind daher zu empfehlen. Wer Rotwein erzeugt, sollte die Handarbeitskapazität für eine Vorauslese essigfauler Trauben einplanen. In Lagen mit hohem Befallsdruck und früher Reife ist eine verzögerte Lese riskant.
Im Insektizidbereich hat sich Spinosad in allen Kulturen als bester Wirkstoff gegen die KEF erwiesen. Möglicherweise wird 2015 ein zusätzlicher Wirkstoff genehmigt, der allerdings nicht gegen die adulten Fliegen wirkt. Bis auf weiteres ist nicht zu erwarten, dass Wirkstoffe mit einer Wartezeit unter 14 Tagen an Keltertrauben zur Verfügung stehen werden. Das Spritzen von Löschkalk oder Kaolin hat 2014 leider wenig Erfolg gebracht.
Für das Versuchswesen stellt daher die Entwicklung von umweltschonenden nicht-chemischen Verfahren zur Verringerung des Befallsdruckes durch die Kirschessigfliege eine vordringliche Aufgabe dar.
Vortrag von Dr. Georg Hill, DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück,
anlässlich der 59. Kreuznacher Wintertagung 2015
Das Jahr 2014 wird den Winzern nicht nur wegen der besonderen Witterungsverhältnisse, sondern vor allem durch das erstmals massenhafte Auftreten der eingeschleppten Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) in Erinnerung bleiben. Die wirtschaftlichen Schäden kamen überwiegend durch die Essigfäule an den reifen Trauben zustande, die aufgrund der feuchten und warmen Verhältnisse im August und September enorm begünstigt wurde. Erhöhte Werte von flüchtiger Säure in den Fassweinen können aber nicht einfach dem neuen Schädling in die Schuhe geschoben werden. Die hier dargestellte Analyse der Verhältnisse von 2014 zeigt Lösungsmöglichkeiten zur Reduzierung der Essigfäuleproblematik und gibt Hinweise, wie wir das Schadpotential speziell durch die Kirschessigfliege im bevorstehenden Rebschutzjahr 2015 einschränken können.
Frühe Reife und hohe Feuchte führt zu Essigfäule
Das Weinjahr 2014 brachte Wetterkapriolen, die sich bis in den Mittelmeerbereich hinein markant auswirkten. Wechselbäder der Gefühle durchlitten nicht nur die Winzer im Verlauf der Vegetationsperiode. Bis Juni ein totales Trockenjahr, kam es in der zweiten Jahreshälfte zu ergiebigen Niederschlägen. Das Zusammentreffen von reifen Trauben, hohen Niederschlägen und feucht-warmen Verhältnissen ähnelte stark dem Jahrgang 2006, wie er sich damals in der Pfalz und im südlichen Rheinhessen darstellte. Bekanntlich war dort die Essigfäule bei den später reifenden Sorten bis hin zum Riesling ein enormes Problem. So geschah es wieder 2014 und inzwischen zeigen auch einige Weißweinpartien erhöhte Werte von flüchtiger Säure. Den eigentlichen Schock verursachten dann bei vielen Rotweinsorten, darunter auch Dornfelder, der Befall durch die neu eingeschleppte Kirschessigfliege (Drosophila suzukii). Ansonsten blieben die Rebkrankheiten verhalten.
Die Peronospora machte sich als Folge der Bodentrockenheit erstmals um den 20. Juli bemerkbar. Auch die Bekämpfung des Oidiums gelang besser als in den Vorjahren, weil die kühle und trockene Zeit vor der Blüte Infektionen aus den Wintersporen weitgehend verhinderte. Örtlich gab es allerdings einige „hot spots“ in Anlagen mit Zeigertrieben. Wo dies nicht rechtzeitig erkannt wurde, kam es auch parzellenweise zu beträchtlichem Traubenbefall. Leider mussten wir feststellen, dass die Wirkung der Strobilurin-Fungizide noch weiter abgenommen hat.
Neuer Feind des Rotweins: Die Kirschessigfliege
Dazu trat ein neuer Schädling auf den Plan: Bei den frühen Rotweinsorten zeigte sich in der Nähe von verletzten Trauben schlagartig ab Mitte August die kürzlich eingeschleppte Kirschessigfliege (KEF). Ihre Fähigkeit zum aktiven Anbohren der gesunden Beerenhaut und der nachfolgenden Eiablage in das Fruchtfleisch machen den neuen Schädling zu einem Existenzproblem für den Anbau von Kirschen, Zwetschen und sämtlichen Arten von Beerenobst. Im Raum Ingelheim hatte man in den Kirschanlagen den Verlauf des Befalls ab Ende Juni drastisch vor Augen. Dementsprechend aufmerksam wurden die Trauben beobachtet. Glücklicherweise erwiesen sich die Erfahrungen aus Norditalien mit der KEF auch bei uns als zutreffend: Die Eiablage erfolgt nur ganz selten in grüne Früchte und deshalb gab es bei den weißen Rebsorten kaum Probleme. Auch scheint erst ein Reifegrad um etwa 55 °Oe die KEF zur Eiablage an den Trauben zu stimulieren.
Etliche Partien von Portugieser und Dornfelder gingen wegen erhöhter flüchtiger Säure verloren. Bei allen Rotweinsorten wurde eine Vorauslese der essigfaulen Trauben per Hand obligatorisch. Dabei zeigte sich die altbekannte Erfahrung, dass Trauben mit Quetschungen oder Fraßschäden rasch in Essigfäule übergehen, lockere Trauben dagegen länger gesund bleiben. Überraschenderweise erwies sich unter den Rotweinsorten ausgerechnet der lockerbeerige und fäulestabile Dornfelder als extrem KEF-anfällig.
Wer die Lese zu lange verzögerte und auf die altbekannte Stabilität des Dornfelders vertraute, erlebte auch in späten Gemarkungen üble Überraschungen. Als stark anfällig müssen neben Portugieser auch Acolon, Cabernet Dorsa und teilweise auch Regent gelten. Demgegenüber zeigten sich die lockeren Spätburgunderklone trotz feststellbarer KEF-Eiablage relativ stabil, was u. a. auch für die Sorten Merlot, Domina, Lemberger sowie Cabernet Sauvignon zutrifft. Als Folge der Vorauslesen und Verzicht auf Beerntung in Einzelflächen hat sich 2014 das Dornfelderangebot am Markt reduziert, was anziehende Preise zur Folge hatte. Während es so am Fassweinmarkt durchaus einen finanziellen Ausgleich gab, benachteiligte die erzwungene frühere Lese vor allem die Flaschenweinvermarkter. Die Schwellen für Premium-Mostgewichte wurden trotz aller Anstrengungen der selektiven Handlese oft nicht erreicht. Man darf daher die Kirschessigfliege mit Fug und Recht als Erzfeind der Rotweinqualität und der späten Lese bezeichnen.

Essigfäule an Weißweintrauben
Bei den Weißweinsorten gab es im Nachhinein betrachtet glücklicherweise kaum Schäden durch die Kirschessigfliege selbst. Doch auch hier kam es häufig zu Problemen mit Essigfäule, wenn die Trauben Quetschstellen aufwiesen. Nach den Starkregen am 20. und 21. September, die im Alsenztal sogar ein Jahrhunderthochwasser auslösten, kam es verbreitet zu weiterem Aufplatzen der Beeren und nachfolgend auch bei den späteren Weißweinsorten zu steigendem Botrytisbefall, der selbst bei Riesling zunehmend in Essigfäule überging. Das Bewusstsein, dass nichts mehr aufzuheben sei, bestimmte ab Anfang Oktober den weiteren Ernteverlauf. Alles in allem lagen die Mengenerträge im langjährigen Mittel und die Fassweinerzeuger profitierten von stabilen Weinpreisen. Viele Flaschenvermarkter haben die gesetzten Ziele im Rotweinbereich nicht erreicht.
Insgesamt ist das Jahr 2014 bei uns um etwa 2,5 °C zu warm ausgefallen bei gleichzeitig 25 % mehr Sonnenscheinstunden als normal und 10-15 % mehr Niederschlag. Unser Klima rutscht allmählich immer weiter nach „Süden“ und damit gewinnen die Probleme der wärmeren Weinbaugebiete zunehmende Bedeutung im Bereich Rheinhessen-Nahe. Neben der gerade angekommenen Kirschessigfliege stehen weitere Schaderreger vor der Tür. Die Gesunderhaltung unserer Reben wird sich in Zukunft noch erheblich aufwändiger gestalten. Doch zunächst gilt es dem neuen Schädling Kirschessigfliege zu begegnen.
Die Kirschessigfliege – Herkunft und Lebensweise
Die Kirschessigfliege (KEF, Drosophila suzukii) stammt ursprünglich aus dem subtropischen Ostasien. Schon seit den 1930iger Jahren liegen wissenschaftliche Untersuchungen zu dieser Taufliegenart vor, die mit unserer heimischen Essigfliege (Drosophila melanogaster) eng verwandt ist und leicht mit ihr verwechselt werden kann. Lediglich die Männchen der KEF sind durch den auffälligen Punkt auf den Flügelspitzen mit bloßem Auge leicht zu unterscheiden.
Eigentlich ist es geradezu ein Wunder, dass die KEF nicht schon viel früher zu uns gelangt ist. Aus genetischen Untersuchungen ergab sich nämlich, dass die Fliege zunächst um 1980 von Asien nach Hawaii gelangte und von dort vermutlich erst um 2007 mit befallenen Früchten nach Kalifornien kam. Der Verdacht besteht, dass dies durch Lieferung befallener Früchte geschehen sein könnte. Auffällig ist, dass bereits 2008 nämlich die KEF in Spanien, Israel sowie am Schwarzen Meer gesichtet wurde. Erste Fänge im Anbaugebiet Baden datieren von 2011.
Die Fliege sucht Früchte mit roter oder dunkler Pigmentierung auf, vermag mit einer Sägeschneide am Eilegeapparat die gesunde Oberhaut anzuritzen und in den entstandenen Spalt ihre Eier abzulegen. Die heimische Essigfliege (Drosophila melanogaster) kann dagegen intakte Früchte nicht befallen. Die gesamte Entwicklung des Insekts hängt stark von der Temperatur ab. Unter warmen Verhältnissen dauert es von der Eiablage bis zum Schlupf einer neuen, erwachsenen Fliege nur 8-9 Tage, bei niedrigen Temperaturen bis zu 31 Tage. Unter 9,5 °C erfolgt keine Eiablage im Freiland. Die adulten Fliegen selbst sterben bei minus 2 °C ab und können daher bei uns nur in frostgeschützten Verstecken überwintern, wobei sehr milde Winter eine große Zahl der Tiere überleben lassen, wie zuletzt 2013 / 2014 geschehen.
Trauben sind schlecht für die Vermehrung
Die Kirschessigfliege kann bei uns viele Früchte befallen, wobei Efeubeeren eine erste, notdürftige Nahrung im zeitigen Frühjahr darstellen. Die Beerenfrüchte unterscheiden sich erheblich in ihrer Eignung für die Larvenentwicklung. Geradezu optimal sind Kirschen, Heidelbeeren, Himbeeren und Brombeeren. Schlecht geeignet sind glücklicherweise die Weintrauben, auf denen in der Regel 90-99 der KEF-Eier zugrunde gehen. Durch die Untersuchungen von 2014 wissen wir, dass die Eier der KEF sich bei Mostgewichten unter 55- 60 °Oe kaum entwickeln können und absterben. Die Zahl der Eiablagen sagt daher an sich noch nichts über den Schaden aus. Spätburgunderbeeren scheinen die Ei-Entwicklung fast bis in die Überreife der Beeren hinein wirksam zu unterdrücken. Demgegenüber geht dieser Effekt bei Dornfelder offenbar ziemlich rasch verloren. Es handelt sich möglicherweise um eine Abwehrreaktion des Gewebes, bei welcher die Eier eingekapselt werden und zugrunde gehen. Interessanterweise findet dieser Abwehreffekt kaum noch statt, wenn die Trauben vom Stock abgeschnitten sind. Eine Anregung dieser fruchteigenen Abwehr durch aufgespritzte Substanzen dürfte ein lohnendes Ziel zukünftiger Forschungsarbeiten sein. Interessanterweise konnten wir an den Eiablagestellen nie Botrytis beobachten. Möglicherweise besitzen die Weibchen der KEF ein Sekret, das die Wunde vor Schimmelpilzen schützt. Auch wenn Larven aus den Eiern schlüpfen, gehen diese in Weinbeeren meist zugrunde. Vermutet wird dabei Sauerstoffmangel in der safterfüllten Röhre, welche die Tiere sich in das Fruchtfleisch fressen. Ähnlich wie Robben unter einer Eisdecke müssen die Larven nämlich immer wieder an die Einbohrstelle zurückkriechen, um Luft zu schöpfen. Klar ist aber, dass sich nach Fraßbeginn relativ schnell wilde Hefen und Essigbakterien im Fruchtfleisch der Beeren entwickeln, die z. T. sogar schäumende Gärung auslösen können. Für die Vermehrung der Art könnten Trauben aber eher eine Sackgasse in der Entwicklung sein, weil auch der größte Teil der Larven sich nicht zu adulten Tieren entwickeln kann.
Der Befallsdruck scheint sich in der Regel nicht im Inneren der Weinberge aufzubauen, sondern die Fliegen kommen von außen, oft von Gehölzen oder Sträuchern. Eine Wanderung der Tiere kann mit dem Wind auch über größere Entfernungen erfolgen. Nachgewiesen ist in Weinbergen in Südtirol, dass mit zunehmender Nähe zu Wald und zu Steinobst der Befall zunimmt. Es gibt also auch im Rebgelände „hot spots“, die stärker gefährdet sind.
Beschädigungen der Trauben verhindern
Zur Reduzierung der Schäden durch die KEF an den Rotweinsorten sind alle Maßnahmen geeignet, welche die Eiablage an den Trauben verringern oder die abgelegten Eier an der Entwicklung hindern. Die Fliegen werden stark angelockt durch gärende Flüssigkeiten und Essiggeruch. Wenn die Trauben gesund sind und ansonsten auch ohne Oidiumbefall, Wespenfrass und Vogelfrass heranreifen, findet man nur sehr wenige Kirschessigfliegen im Bestand und dementsprechend gering ist die Eiablage. Grundsätzlich begünstigt sind Lagen mit verzögerter Reife, in denen der Befall später auftritt und dann auch später im Herbst bei niedrigeren Temperaturen stattfindet, wenn die Eiablage-Aktivität der KEF stark vermindert ist. Ein Horror-Szenario bilden dagegen Rebanlagen, die an Obstplantagen mit Kirschen, Gärten oder Waldstücke angrenzen. Ähnliche Effekte kann aber auch ein Nachbar verursachen, der Frühsorten wie Siegerrebe, Ortega oder Optima anbaut, die erfahrungsgemäss Frassschäden durch Vögel und Wespen erleiden und rasch Essigfäule entwickeln, was grossflächig die KEF anlockt. Die KEF legt auch an Weißweintrauben Eier in beschädigte Beeren ab. Dort ist aber auch rasch die gewöhnliche Essigfliege D. melanogaster im Spiel und vermehrt sich sofort in Massen.
Maßnahmen zur Befallsminderung
Als relativ einfache und erfolgreiche Kulturmaßnahme zur Vergrämung der schattenliebenden Fliegen aus der Traubenzone hat sich die beidseitige Entblätterung erwiesen. Diese muss bis zum Färben der Trauben erfolgt sein. Damit wird eine Reduzierung der Eiablage und eine Befallsverzögerung erreicht, die bei Dornfelder 2014 im Vergleich eine um 8-10 Tage spätere Lese ermöglicht hat. Die Wirkung der Entblätterung ist weniger effektiv, wenn fraßbedingte Verletzungen an den Trauben die KEF-Weibchen in Massen anlocken. Eine Einnetzung gegen Vögel bringt allerdings Beschattung und steigert damit wieder die Eiablage der Fliegen. Als einziges wirksames Insektizid zur direkten Bekämpfung der Kirschessigfliege steht uns Spintor (Wirkstoff Spinosad) zur Verfügung. Spinosad ist weltweit einer der besten Wirkstoffe gegen die KEF. In der Praxis ist damit zu rechnen, dass die Wirkung gegen erwachsene Fliegen aber nur etwa 24 Stunden anhält. Allerdings besteht eine Wirkung auf abgelegte Eier und auch Larven über einen Zeitraum von 5-6 Tagen. Geschlüpfte Larven kommen in bestimmten Abständen aus den Einbohrstellen wieder an die Oberfläche und nehmen dabei den äußerlich applizierten Wirkstoff auf.
Ein Sicherheitsprogramm auf Insektizidbasis für anfällige Rotweinsorten muss bei etwa 58-60 °Oe starten und in wöchentlichem Abstand fortgesetzt werden, wobei beidseitig exakt zu behandeln ist. Die Vollkosten pro Spritzung belaufen sich aktuell auf ca. 120,- €/ha. Zu beachten ist die – wegen der Gär- und Geschmacksbeeinflussung – auf 14 Tage festgesetzte Wartezeit von Spintor. Für Fassweinvermarkter, die ohnehin bei Erreichen der Grenzmostgewichte ernten können, dürfte der Insektizideinsatz wirtschaftlich kaum lohnend sein, zumal gegen Essigfäule mit Wirkungsgraden von nur um etwa 50 % zu rechnen ist.
Der eigentliche Schaden durch die Kirschessigfliege kommt über die Essigfäule an den Trauben und nachfolgend erhöhte Werte an flüchtiger Säure im Most zustande. Insofern kann es sinnvoller sein, in eine Vorauslese der essigfaulen Trauben von Hand zu investieren, als auf die unsichere Wirkung von Spinosad zu bauen.
Problemlagen finden sich in der Regel in der Nähe von größeren Gehölzen, Bereichen mit starkem Bewuchs durch Brombeeren und überall dort, wo Vogelfraß früh einsetzt. Beschädigungen der Trauben durch Wespen sind oft in der Nähe von Ortsrändern ein Problem, welches zur Anlockung der KEF führt. Hier ist fallweise nur mit mehrfachem Einsatz von Insektiziden und Handauslese eine spätere Ernte zu gewährleisten. Falls der Befallsdruck aber weiter hoch bleibt, ist dort nur die Umstellung auf später reifende Weißweinsorten oder eventuell lockerbeeerige Klone von Spätburgunder eine langfristige Lösung. Auch Lemberger, Merlot und Cabernet Sauvignon haben sich 2014 als robust erwiesen.
Zusammenfassung
Essigfäule war 2014 bei vielen Rebsorten das Thema des Jahrgangs ähnlich wie zuletzt 2006. Bei den Rotweinsorten, insbesondere Dornfelder, richtete erstmals die Kirschessigfliege (KEF) erhebliche Schäden an. Da die KEF sich außerhalb der Reben vermehrt und erst bei 55-60 °Oe auf Trauben übergeht, sind vorbeugende Insektizidbehandlungen im Juli / August wirkungslos. Die Massenvermehrung der KEF erfolgt überwiegend an Kirschen, Brombeeren und Himbeeren. Die Nähe zu den Hauptwirtspflanzen, aber auch zu Wald mit Büschen im Unterwuchs erhöht erheblich das Befallsrisiko an den Trauben. Das Überleben der kälteempfindlichen KEF hängt von der Witterung im Winter ab, wobei Werte von -8 °C über mehrere Tage hinweg unterschritten werden sollten, um die Wintergeneration wirksam zu dezimieren.
Ansonsten ist immer noch kaum bekannt, welche Faktoren dazu beitragen, dass die Populationen begrenzt bleiben. Heiße und trockene Witterung im Spätsommer ist nachteilig für die KEF. Der Kirschanbau bildet das Frühwarnsystem für den Weinbau, weil dort der Befall bereits im Juni beginnt. Aktuell gehen wir davon aus, dass beim Ausbleiben einer längeren Frostperiode auch 2015 wieder mit einem starken Befall an den Rotweinsorten zu rechnen ist.
Weißweinsorten einschließlich Grauburgunder erlitten 2014 kaum wirtschaftliche Schäden und sind anscheinend weitgehend sicher. Bei allen Rotweinsorten gelten 2015 besondere Vorsichtsmaßnahmen hinsichtlich der Hygiene im Traubenbereich: Spätestens bei Färben der Trauben muss die Traubenzone beidseitig entblättert sein, weil die KEF besonnte, warme Bereiche meidet. Oidiumbefall ist kritisch, weil abgeschorfte, befallene Beeren leicht platzen, in Essigfäule übergehen und die Eiablage der Fliege stimulieren. Gärende Flüssigkeiten und Essiggeruch locken die Weibchen der KEF immer an. Trester aus Frühlesen darf deshalb nur auf Ackerland in größerer Entfernung von den Reben ausgebracht werden. Quetschstellen in den Trauben sind bei allen Sorten / Klonen mit dicht gepackter Traube Ansatzstellen für frühe Essigfäule. Maßnahmen zur Traubenauflockerung wie frühe Entblätterung oder der Einsatz von Gibb3 / Regalis sind daher zu empfehlen. Wer Rotwein erzeugt, sollte die Handarbeitskapazität für eine Vorauslese essigfauler Trauben einplanen. In Lagen mit hohem Befallsdruck und früher Reife ist eine verzögerte Lese riskant.
Im Insektizidbereich hat sich Spinosad in allen Kulturen als bester Wirkstoff gegen die KEF erwiesen. Möglicherweise wird 2015 ein zusätzlicher Wirkstoff genehmigt, der allerdings nicht gegen die adulten Fliegen wirkt. Bis auf weiteres ist nicht zu erwarten, dass Wirkstoffe mit einer Wartezeit unter 14 Tagen an Keltertrauben zur Verfügung stehen werden. Das Spritzen von Löschkalk oder Kaolin hat 2014 leider wenig Erfolg gebracht.
Für das Versuchswesen stellt daher die Entwicklung von umweltschonenden nicht-chemischen Verfahren zur Verringerung des Befallsdruckes durch die Kirschessigfliege eine vordringliche Aufgabe dar.
 |