Helfen natürliche Süßungsmittel bei Magen-Darm-Beschwerden?


Frage:
Ich hatte vor ca. 3 Jahren Pfeiffersches Drüsenfieber und wurde auch nach meiner Genesung weiterhin von Magenkrämpfen und Übelkeit geplagt.
Man sagte mir, ich hätte wahrscheinlich eine Unverträglichkeit gegenüber raffiniertem Haushaltszucker, da natureigene Spaltungsenzyme daraus entfernt worden seien und mein Körper den Zucker ohne diese Enzyme nicht spalten könne.
Diese Zuckerrückstände im Darm würden zu einer Übersäuerung des Darmmilieus, zur Besiedlung des Darms mit schädlichen Darmpilzen und schließlich zu oben genannten Beschwerden führen.
Ich solle doch auf naturbelassene Süßungsmittel zurückgreife, was ich jetzt seit ca. einem Jahr tue.
Tatsächlich habe ich mit Magenkrämpfen kaum noch Beschwerden!

Leider ist diese Theorie wissenschaftlich nicht anerkannt und es lässt sich kaum umfangreiche Sekundärliteratur darüber finden!!

Können Sie mir Informationen über dieses Thema an die Hand geben und ihre Meinung gegenüber dieser Theorie äußern??

Ich danke Ihnen für Ihre Bemühungen!!

Antwort:
Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

Saccharose (Haushaltszucker) wird nicht von lebensmitteleigenen Enzymen gespalten, sondern von Verdauungsenzymen (hier: Saccharasen), die im Dünndarm gebildet werden.
Es gibt eine seltene Stoffwechselerkrankung, die Saccharoseintoleranz, bei der der Körper das Enzym Saccharase nicht mehr bilden kann. Dieser Enzymdefekt besteht entweder von Geburt an oder er ist Folge einer anderen Erkankung. Die Ernährungstherapie besteht darin, dass Saccharose gemieden wird und durch Fruktose, Glukose oder Laktose (Milchzucker) ersetzt wird. Die Verträglichkeit der naturbelassenen Süßungsmittel ist in diesen Fällen davon abhängig, wie hoch deren Gehalt an Saccharose ist.

Vertreter der Anti-Pilz-Diät gehen davon aus, dass verschiedene unspezifische Symptome, u.a. Müdigkeit, Schlafstörungen, Magen-Darmbeschwerden, auf eine unerwünschte Besiedlung des Dünndarms mit Candida albicans - Pilzen zurückzuführen sind und dass dieser Pilz quasi durch "Zuckerentzug" im Wachstum gehemmt werden soll. (Davon abzugrenzen ist die Canida-Mykose, eine Infektionskrankheit, die bei Schwächung des Immunsystems auftreten kann (Diabetes mellitus, Mangelernährung, AIDS, Krebs, u.a.) und mit antimykotisch wirkenden Mitteln behandelt wird.) Mein Wissensstand ist der, dass, wie Sie auch schreiben, ein solcher Zusammenhang wissenschaftlich bislang nicht nachgewiesen wurde. Sowohl das Robert-Koch-Institut (RKI) als auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) halten eine Anti-Pilz-Diät für nicht hilfreich.
Davon abzugrenzen ist die Candida-Mykose, eine Infektionskrankheit, die bei Schwächung des Immunsystems auftreten kann, z. B. bei Diabetes mellitus, Mangelernährung, AIDS oder Krebs, und mit antimykotisch wirkenden Mitteln behandelt wird.

Candida albicans gehört von Natur aus zur normalen Darmflora und ist auch häufig auf den Schleimhäuten in Mund, Rachen und Genitalbereich zu finden. Die Zusammensetzung der Darmflora kann durch reichlichen Verzehr ballaststoffreicher Lebensmittel, wie Vollkorngetreideprodukte, Gemüse und Obst, und durch den täglichen Verzehr gesäuerter Milchprodukte wie Joghurt und Buttermilch positiv zu beeinflusst werden. Ergebnisse aus wissenschaftlicher Studien weisen auf günstige Effekte probiotischer Milchprodukte. Sie können ...
  • die Schwere und Dauer bestimmter Durchfallerkrankungen mindern
  • das Wachstum unerwünschter Darmbakterien hemmen
  • das Immunsystem günstig beeinflussen.
Bei Problemen im Magen-Darm-Bereich kann die Verträglichkeit von Vollkornprodukten, Gemüse und / oder Obst eingeschränkt sein. Fein gemahlene Vollkornmehlbrote und -produkte werden teilweise besser vertragen. Leicht gedünstetes Gemüse oder fein zerkleinerte Rohkost sind meist gut verträglich. Wenn Sie bislang wenig Vollkorn oder Gemüse gegessen haben, dann sollten Sie die Verzehrsmenge nur allmählich steigern, damit der Körper sich daran gewöhnen kann. Obst enthält zum Teil größere Mengen an Fruktose und sollte nicht in größeren Mengen auf einmal gegessen werden.

Vielleicht ist es auch eine Hilfe, wenn Sie beispielsweise über eine Woche hinweg ein Ernährungsprotokoll führen, in dem Sie verzehrte Lebensmittel und Getränke, die Mengen und sonstige Einflüsse (z.B. Stress, Medikamenteneinnahme) sowie auftretende Unverträglichkeitssymptome erfassen. Auf diese Weise lässt sich eventuell ein konkreter Zusammenhang zwischen dem Verzehr von bestimmten Speisen und Ihren Beschwerden feststellen, die dann gemieden werden können.

Die Tatsache, dass Ihre Beschwerden mit Umstellung auf naturbelassene Süßungsmittel nachgelassen haben, kann vielleicht auch damit zusammmenhängen, dass Sie auch andere Ernährungsfaktoren geändert haben?


Mit freundlichen Grüßen
i.A.
gez. Irmgard Lütticken


Quelle:
DGE (Hrsg.): Anti-Pilz-Diät, in DGE-Info 08/2001, im Internet unter www.dge.de (Zugriff 12/2007)
RKI (Hrsg.): Pathogenetische Bedeutung der intestinalen Candidabesiedlung, in: Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 2004, S. 587 ff, im Internet unter www.rki.de (Zugriff 12/2007)





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