Schorf- und Mehltauresistenz an Apfel

Schorf- und Mehltauresistenz an Apfel im alten Kultursortiment der ehemaligen Genbank Obst Dresden-Pillnitz

Prof. Dr. Manfred Fischer
Vormals: IPK Gatersleben, Genbank Obst Dresden-Pillnitz
01326 Dresden, Söbrigener Str. 15 (manfr.fischer@googlemail.com)

Schorf (Venturia inaequalis [Cooke] Winter) und Mehltau (Podosphaera leucotricha [Ell. et Ev.] Salm) sind die wirtschaftlich wichtigsten Pilzkrankheiten an Apfel. Hoch anfällige Sorten bedürfen intensiver Pflanzenschutzmaßnahmen, um die Früchte qualitätsgerecht produzieren zu können. Hoher Pflanzenschutzaufwand, aber auch Qualitätsabstriche an den Früchten werden von den Konsumenten nicht mehr toleriert. Der Ausweg sind resistente Sorten, die mit wesentlich geringerem Pflanzenschutzaufwand gesunde Früchte liefern. Es gibt aber auch unter den nicht aus der Resistenzzüchtung stammenden, vor allem alten Sorten weniger schorfanfällige bzw. resistente Sorten.

Ein Problem vieler schorfresistenter Sorten ist ihre Anfälligkeit für Mehltau.

Es sollte deshalb herausgefunden werden, wie sich alte wie neue, resistente und nicht resistente Apfelsorten verhalten, wenn auf jeglichen Fungizideinsatz ganzjährig verzichtet wird.

Zielstellung war die Suche nach Trägern polygener Resistenz für Schorf und die Suche nach Trägern multipler Resistenz für Schorf und Mehltau. Damit sollten Anregungen gegeben werden zur Bereitstellung von neuem Züchtungsausgangsmaterial und für eine Sortenempfehlung für den Intensiv- und Extensivanbau (Streuobst).

An Material standen etwa 800 alte und neue Apfelsorten (12- bis 15jährige Bäume) zur Verfügung, die in zwei Jahren mit keinerlei Fungiziden behandelt wurden. Aller 4 Wochen während der Vegetationszeit wurden Evaluierungen des Schorf- und Mehltaubefalls an Blättern und Früchten vorgenommen, wobei der Gesundheitszustand bewertet wurde: 9 = gesund, 1 = völlig befallen. Fett gedruckt in der Tabelle sind die jeweils schlechtesten Bewertungen, die in andere Dokumente übernommen worden sind.

Im Ergebnis zweijähriger Beobachtungen blieben von 800 Sorten nur 3,7 % ohne Schorf- und Mehltaubefall. Darunter waren nur 2 Sorten aus der Resistenzzüchtung. Die Ergebnisse waren im 2. Prüfjahr reproduzierbar (siehe Tabelle). Nur in Sorten aus der Resistenzzüchtung konnten mittels Marker die bekannten Gene für Schorf- und Mehltauresistenz nachgewiesen werden. Somit kann mit hoher Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass die Resistenz der nicht befallenen Sorten, die keines der bekannten Resistenzgene trugen, polygen bedingt ist.

Nach diesen Ergebnissen erscheint es möglich, durch den Einsatz der multipel polygen resistenten Sorten in der Apfelzüchtung durch Einkreuzung, also konventionell, stabil resistente Sorten zu züchten, die sowohl gegen Schorf als auch gegen Mehltau widerstandsfähig sind. Außerdem ist es möglich, durch “Pyramidisierung” mehrerer Resistenzgene in neuen Genotypen zur Stabilisierung der Schorfresistenz im Feldbestand beizutragen, nachdem die mehr oder weniger monogene Schorfresistenz (M. floribunda) mehrerer schorfresistenter Apfelsorten im Feldbestand (meist bei Unterlassung jeglicher Fungizidspritzungen) durchbrochen worden ist.

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