Vorgaben zur ökologischen Rinderhaltung - Auszug aus den Verordnungen (EG) Nr. 834/2007 und 889/2008 -

<h1>1 Futter</h1>
  • Tiere müssen mit ökologischen Futtermitteln gefüttert werden, bei Pflanzenfressern müssen davon mindestens 60 % aus dem eigenen Betrieb stammen oder - falls dies nicht möglich ist- in Zusammenarbeit mit anderen ökologischen/biologischen Betrieben derselben Region erzeugt werden.
  • Konventionell erzeugte Futtermittel sind für Pflanzenfresser nicht zulässig.
  • Maximal 30 % der Trockenmasse dürfen Umstellungsfutter sein, 100 % bei Umstellungsfutter aus eigener Erzeugung.
  • Die Tiere müssen ständigen Zugang zu Weideland oder Raufutter haben. Dabei soll der Anteil an Weidegang möglichst hoch sein.

  • Mindestens 60 % der Trockenmasse in der Tagesration muss aus frischem, getrocknetem oder siliertem Raufutter bestehen.

    - nicht zugelassen sind Antibiotika und sonstige Leistungsförderer, synthetische Aminosäuren

  • Futtermittel müssen gentechnikfrei sein.
  • Kälber müssen während der Säugeperiode, d.h. für eine Mindestzeit von 3 Monaten, mit natürlicher Milch, vorzugsweise mit der Milch der Muttertiere, gefüttert werden.

<h1>2 Haltung</h1>

<h2>2.1 Weide/ Ausläufe</h2>

  • Die Tiere müssen ständigen Zugang zu Freigelände, vorzugsweise zu Weideland, haben, wann immer die Witterungsbedingungen und der Zustand des Bodens dies erlauben.
  • Wenn möglich muss Weidegang gewährt werden, ansonsten Freigeländezugang oder Auslauf. Bullen über 1 Jahr müssen nicht auf die Weide, wenn Auslauf gewährt wird.
  • Wenn bei Laufstallhaltung in der Weidezeit Weidegang gewährt wird, ist im Winter kein Auslauf oder Freigeländezugang erforderlich.
  • Ausläufe können teilweise (maximal 75 %).überdacht sein
  • Der Tierbesatz auf der Weide muss so niedrig sein, dass Überweidung, Zertrampeln des Bodens, Erosion oder Umweltbelastung verursacht durch die Tiere oder die Ausbringung des von ihnen stammenden Wirtschaftsdüngers möglichst gering gehalten werden.

<h2>2.2 Stall</h2>
  • Bei den Ställen muss reichlich natürliche Belüftung und ausreichend Tageslicht gewährleistet sein.
  • Die gängigen Laufstallsysteme wie Liegeboxen, Tretmist oder Tiefstreu können unter Einhaltung der Mindestflächen verwendet werden. Bei Laufgängen aus Vollspalten ist der zulässige Spaltenanteil zu beachten (s.u.).
  • Anbindehaltung ist verboten. Es gibt nur eine Ausnahmeregelung nach Art. 39 EU-Öko-Durchführungsverordnung: Die zuständige Behörde kann genehmigen, dass Rinder in Kleinbetrieben (unter 20 Kühe + Nachzucht) angebunden werden, wenn es nicht möglich ist, die Rinder in Gruppen zu halten, deren Größe ihren verhaltensbedingten Bedürfnissen angemessen wäre, sofern die Tiere während der Weidezeit Zugang zu Weideland und mindestens zweimal in der Woche Zugang zu Freigelände haben, wenn das Weiden nicht möglich ist.


Mindeststall- und Auslaufflächen
Lebendgewicht


kg
Stallfläche*
(den Tieren zur Verfügung stehende Nettofläche)
m²/Tier
Außenfläche (Freigeländeflächen außer Weideflächen)
m²/Tier
Zucht- und Mastrinderbis 1001,51,1
bis 2002,51,9
bis 3504,03
über 3505; mind. 1m²/100 kg3,7; mind. 0,75 m²/100 kg
Milchkühe64,5
Zuchtbullen1030
*befestigte und ständig zugängliche Auslaufflächen können auf die Stallfläche angerechnet werden


  • Mindestens die Hälfte der geforderten Stallbodenfläche darf nicht aus Spaltenboden bestehen.
  • Der Liegebereich muss eingestreut sein. Dazu kann auch konventionelles Stroh verwendet werden. Dieses sollte möglichst nicht mit Wachstumsreglern behandelt sein.
  • Einzelboxen für über 1 Woche alte Kälber sind untersagt.
  • Die Dauer von Tiertransporten muss möglichst kurz gehalten werden.





<h1>Tierbesatz</h1>

Höchstzulässige Anzahl von Rindern je ha landwirtschaftliche Nutzfläche
Mastkälber und andere Rinder unter einem Jahr
5
Männliche und weibliche Rinder zwischen 1 und 2 Jahren
3,3
Männliche Rinder ab 2 Jahren, Milchkühe und Merzkühe
2
Zuchtfärsen, Mastfärsen und andere Kühe (Mutterkühe)
2,5
Nach der EU-Verordnung entsprechen diese Tierzahlen einer Stickstoffmenge von 170 kg/ha/Jahr

  • Bei externer Düngerzufuhr tierischer Herkunft muss die eingeführte Nährstoffmenge auf den Tierbesatz angerechnet werden.
  • Eine vertragliche Zusammenarbeit mit anderen ökologischen Betrieben zum Ausgleich ist möglich.




<h1>Herkunft der Tiere</h1>
  • Die Tiere müssen in ökologischen Betrieben geboren und aufgezogen sein.


Eigene Nachzucht ist in Öko-Betrieben wichtig da konventioneller Zukauf nur eingeschränkt möglich ist.
  • Zuchttiere können, wenn Öko-Tiere nicht verfügbar sind, in folgenden Fällen aus konventioneller Haltung stammen:

      1. Bei erstmaligem Bestandsaufbau: Kälber direkt nach dem Absetzen und jünger als 6 Monate.

      2. Zur Bestandserneuerung: Weibliche Jungrinder, die bisher noch nicht abgekalbt haben ( = nullipar), jährlich bis 10 % des Bestandes an ausgewachsenen Rindern.

      3.Bei erheblicher Ausweitung des Bestandes,bei Rassenumstellung und bei Aufbau eines neuen Zweiges der Tierproduktion: Weibliche Jungrinder, die bisher noch nicht abgekalbt haben ( = nullipar), jährlich -mit Ausnahmegenehmigung- bis 40 % des Bestandes an ausgewachsenen Rindern.

  • Sollen tierische Produkte als Erzeugnisse aus ökologischem Landbau vermarktet werden, so sind bei Rindern, die aus konventionellen Beständen stammen, folgende Fristen der richtliniengemäßen Haltung und Fütterung einzuhalten:
    Rinder zur Fleischerzeugung:12 Monate und auf jeden Fall mindestens ¾ der Lebenszeit
    Milch von Kühen:6 Monate

<h1>Tiergesundheit</h1>

  • Vorbeugende Maßnahmen sowie Naturheilverfahren und Homöopathie haben Vorrang, sofern sie tatsächlich wirksam sind.
  • Für chemisch-synthetische allopathische Medikamente, Hormone und Antibiotika gilt:
      • im Notfall möglich
      • nicht vorbeugend, nicht als Leistungsförderer oder zur Zyklussteuerung
      • doppelte Wartezeiten
      • wenn keine Wartezeiten vorgegeben, dann 48 Stunden Wartezeit
      • tierische Produkte sind bei mehr als 3 Behandlungen ( = Behandlungsgängen) je Tier und Jahr erst nach Durchlaufen der Umstellungsfristen als ökologische Ware vermarktbar. Dies gilt nicht bei Impfungen und Parasitenbehandlung. Bei Tieren, die nicht älter als ein Jahr werden, ist maximal 1 Behandlung ohne nachfolgende Wiederumstellung erlaubt.
  • Impfungen sind nur zulässig, wenn Krankheiten auf dem Betrieb als Problem bekannt oder zu erwarten sind und wo sich Krankheiten nicht durch andere Managementmaßnahmen verhindern lassen. Gesetzlich vorgeschriebene Impfungen sind erlaubt.

zugelassene Reinigungs- und Desinfektionsmittel

· Kali- und Natronseifen· Natürliche Pflanzenessenzen
· Wasser und Dampf· Zitronen-, Peressig-, Ameisen-, Milch-, Oxal-, . Essigsäure
· Kalkmilch· Alkohol
· Kalk· Formaldehyd
· Branntkalk· Natriumkarbonat
· Natriumhypochlorit· Phosphorsäure (für Melkausrüstungen)
· Ätznatron· Salpetersäure (für Melkausrüstungen)
· Ätzkali· Reinigungs- und Desinfektionsmittel für Zitzen . und Melkgeräte
· Wasserstoffperoxid

  • Zur Schädlingsbekämpfung in Stallungen und Haltungseinrichtungen dürfen verwendet werden:

      Die für den Öko - Pflanzenbau erlaubten Insektizide gemäß den Verwendungsvorschriften und zusätzlich - nur in Fallen - alle handelsüblichen Rodentizide (= Mittel zur Nagetierbekämpfung).

<h1>Umgang mit den Tieren</h1>
  • Die Enthornung darf in der ökologischen/biologischen Tierhaltung nicht routinemäßig durchgeführt werden. Aus Sicherheitsgründen oder wenn es der Verbesserung der Gesundheit, des Befindens oder der Hygienebedingungen der Tiere dient, kann dieser Eingriff von der zuständigen Behörde jedoch fallweise genehmigt werden. Genehmigungsfähig sind ausschließlich Enthornungen bei Kälbern bis zum Alter von 6 Wochen. Eine Lokalanästhesie oder Leitungsanästhesie unter Beteiligung eines Tierarztes und eine zusätzliche Gabe von Schmerzmitteln nach Abklingen der Anästhesie muss erfolgen.
  • Beim Ver- und Entladen von Tieren dürfen keine elektrischen Treibhilfen verwendet werden. Die Verabreichung allopathischer Beruhigungsmittel vor und während der Beförderung ist verboten.

Download: Zusammenfassung Öko-Verordnungen Rind.pdfZusammenfassung Öko-Verordnungen Rind.pdf


Monika.Wallhaeuser@dlr.rlp.de     www.Oekolandbau.rlp.de drucken nach oben  zurück