Flechte


Frage:
die Zweige von Johannisbeerhochstämmen sind teilweise mit einem moos- oder flechtenartigem Überzug bewachsen. Dieser ist etwa 1 - 2 mm stark, hellgrau und gelblich.
Die ersten Anzeichen sind jetzt auch an Stachelbeerhochstämmen zu erkennen.
Was ist dagegen zu unternehmen?

Antwort:
Flechten sind eine enge Gemeinschaft (Symbiose = Lebensgemeinschaft zu beiderseitigem Nutzen) aus niederen Pilzen und Algen, sind weniger als höher entwickelte Pflanzen durch ein Abschlussgewebe nach außen geschützt. Sie schaden der Nutzpflanze in der Regel nicht. Sie treten oft in älteren, ungepflegten und nicht geschnittenen Anlagen auf, in denen keine Pflanzenschutzmaßnahmen durchgeführt werden. Oft sind sie auch ein Hinweis, dass die Pflanzen z.B. wegen einer Unterversorgung (Wasser) nicht mehr wüchsig sind. Flechten an Obstbäumen treten darüber hinaus in feuchten Lagen und bei langjährig ungeschnittenen und ungedüngten Bäumen auf.
Flechten reagieren besonders empfindlich auf Schadgas und werden häufig als Bioindikatoren für Luftverunreinigungen verwendet. Das Zentrum vieler Städte wird als Flechten-Wüste bezeichnet, da dort wegen des hohen Schwefeldioxidgehaltes der Luft keine Flechten leben können. Daher findet man auch an Stachelbeeren, die durch
Schwefelspritzungen vor dem amerikanischen Mehltau geschützt werden, keine Flechten.
Eine Bekämpfung ist daher nicht notwendig. Falls die Flechten optisch stören, man sie an dickeren Ästen und an den Stämmchen abbürsten oder ein Kalkanstrich (Branntkalk mit Wasser und gegebenenfalls Tapetenkleister vermischen) kann Abhilfe schaffen
.
Auf jeden Fall sollten Sie ein Augenmerk auf die fehlende Wüchsigkeit legen und diese durch geeignete Maßnahmen (z.B. Schnitt) verbessern.
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