In der Diskussion: Zimt

Ob Zimtwaffeln, Bratäpfel, „Weihnachtstee“ oder Glühwein – Zimt verleiht vielen winterlichen und weihnachtlichen Spezialitäten ihre unverwechselbaren Düfte und Aromen. Zimt enthält jedoch Cumarin, das in höheren Mengen gesundheitsschädlich wirken kann.
Worauf sollte beim Genuss zimthaltigen Gebäcks und Speisen geachtet werden?


Zimt - ein altes Gewürz

Zimt ist die getrocknete innere Rinde von Zweigen des in den Tropen beheimateten immergrünen echten Zimtbaumes (lat.: Cinnamonum), der zur Familie der Lorbeergewächse gehört. Die Rinde wird geschält, fermentiert und getrocknet. Sie kommt entweder in eingerollten, ineinander gesteckten Stücken als Stangenzimt oder gemahlen als Zimtpulver in den Handel. Als Stangenzimt wird vor allem der zarte, matt hellbraune Ceylon-Zimt (Kaneel) verkauft. Ceylon-Zimt wird vor allem in Südindien, auf Sri Lanka, den Seychellen, Madagaskar, Martinique, Jamaika und in Brasilien angebaut. Je dünner die Rinde, umso feiner ist das Aroma. Weit häufiger wird heute der so genannte Cinazimt (Kassia-Zimt) verwendet. Kassia-Zimt ist dunkler in der Farbe und hat ein würzigeres, kräftigeres Aroma als Ceylon-Zimt. Er wird meist zu Pulver vermahlen und wegen seines herben Geschmacks auch mit Ceylon-Zimt veredelt.

Zimt schmeckt leicht süß, würzig bis feurig brennend. In der westlichen Küche wird Zimt gerne zum Würzen von Süßspeisen, Kompott, Gebäck und zum Aromatisieren von Glühwein, Punsch, Likören und Tee verwendet. Die orientalische Küche kennt Zimt dagegen hauptsächlich als Gewürz für Fisch- und Fleischgerichte, zu Reis- und Gemüsegerichten oder zu Soßen.

Zimt ist ein sehr altes Gewürz. Schon vor mindestens 4400 Jahren wurde es in China verwendet. In Ägypten war es bereits 1600 v. Chr. nicht nur als Gewürz, sondern auch als Heilmittel bekannt. Seine ätherischen Öle wirken verdauungsfördernd, helfen bei leichten krampfartigen Magen-Darmbeschwerden, bei Völlegefühl und Blähungen. Sie haben antibakterielle Wirkungen und lindern Atemwegsbeschwerden. Wichtige Bestandteile des ätherischen Öles sind unter anderem die sekundären Pflanzenstoffe Zimtaldehyd und Eugenol. Bei Typ-2-Diabetikern hat Zimt unter Umständen einen Blutzuckerspiegel senkenden Effekt. Diese Wirkung wird auf den sekundären Pflanzenstoff Methylhydroxy-Chalcone-Polymer im Zimtgewürz zurückgeführt, der eine Insulin ähnliche Wirkung besitzen könnte. Positive Effekte auf den LDL-Cholesterinspiegel und den Triglyceridspiegel werden ebenfalls diskutiert.


Cumarin in Zimt

Zimt kann Cumarin enthalten. Cumarin ist ein natürlicher Aromastoff, der in vielen Pflanzen vorkommt. Der Gehalt in Zimt ist sortenabhängig, Kassia-Zimt hat höhere Konzentrationen, während Ceylon-Zimt nur geringe Mengen bis Spuren von Cumarin enthält.

Cumarin kann langfristig bei empfindlichen Menschen zu Entzündungen der Leber führen. Die Wirkung ist allerdings reversibel (umkehrbar).

Die „duldbare tägliche Aufnahme“ (TDI-Wert, tolerable daily intake) von Cumarin liegt bei 0,1 mg pro Kilogramm Körpergewicht, so die Berechnungen der verantwortlichen Behörden [Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)]. In der EU-Aromenverordnung (VO (EU) Nr. 1334/2008) sind Höchstgehalte für Cumarin für bestimmte zimthaltige Lebensmittel festgelegt:

Tabelle: Höchstgehalte für Cumarin in bestimmten Lebensmitteln
Lebensmittel
Höchstgehalt für Cumarin [mg/kg]
  • Traditionelle und/oder saisonale Backwaren, bei denen Zimt in der Kennzeichnung angegeben ist
50 mg
  • Frühstücksgetreideerzeugnisse einschließlich Müsli
20 mg
  • Feine Backwaren außer traditionelle und/oder saisonale Backwaren, bei denen Zimt in der Kennzeichnung angegeben ist
15 mg
  • Dessertspeisen
5 mg

Die Einhaltung des TDI-Wertes von 0,1 mg je Kilogramm Körpergewicht ist normalerweise kein Problem. Der Grenzwert kann jedoch überschritten werden, wenn reichlich Zimtsterne, Milchreis mit Zimt und Zucker und andere mit Zimt gewürzte Lebensmittel und Speisen verzehrt werden. Ausgehend von den höchsten bei den Untersuchungen festgestellten Cumaringehalten sollten Kleinkinder beispielsweise maximal sechs kleine Zimtsterne und Erwachsene höchstens 24 kleine Zimtsterne pro Tag essen, so die Empfehlung des BfR.
Untersuchungen der Lebensmittelüberwachungsbehörden zeigten in der Vergangenheit nur in wenigen Fällen, teils auch nur geringfügige, Überschreitungen der Höchstwerte.
Dennoch wird vorbeugend empfohlen, Zimtgebäck nur in Maßen zu essen.


Zimt für Diabetiker

Für Typ II Diabetiker werden seit einiger Zeit Nahrungsergänzungsmittel als Kapseln oder Dragees auf der Basis von Zimt angeboten. Sie sollen den Blutzucker senken. Diese Mittel sind aus folgenden Gründen sehr kritisch zu werten:
  • Der eindeutige wissenschaftliche Nachweis für die Blutzucker senkende Wirkung fehlt bislang. Wahrscheinlich beeinflusst Zimt den Blutzuckerspiegel bei Diabetes-Betroffenen nicht.
  • Bei Einnahme von Produkten mit Kassia-Zimtpulver in Höhe der empfohlenen Dosis kann der o.g. Höchstwert ohne Weiteres überschritten werden.
  • Schwangere sollen die Kapseln auf keinen Fall einnehmen. Sie können Zimtaldehyd in größeren Mengen enthalten, der zu Fehlbildungen beim ungeborenen Kind führen kann.


Unsere Empfehlung
  • Bei Zimtpulver sind Kassia-Zimt und Ceylon-Zimt nicht voneinander zu unterscheiden. Die Kennzeichnung gibt oftmals keinen Hinweis auf die Herkunft oder die Sorte. Als solchen gekennzeichneten Ceylon-Zimt erhält man ggfs. in Reformhäusern oder auch in Apotheken. Wer gerne und häufig zimtgewürzte Speisen genießt, sollte Ceylon-Zimt bevorzugen.
  • Ansonsten gilt, Zimtpulver sparsam zu verwenden, sofern nicht als Ceylon-Zimt ausgewiesen.
  • Zimthaltige Speisen wie Milchreis mit Zimt und Zucker sollten Kinder nur einmal pro Woche bekommen.
  • Zimtstangen können jedoch voneinander unterschieden werden. Bei Ceylon-Zimt sind mehrere feine Rindenschichten zu einer Stange gerollt, während Kassia-Zimt aus einer dickeren Rinde gerollt ist.
  • Zimtkapseln oder Dragees sollten aus den oben genannten Gründen nicht eingenommen werden. Normalgewicht, vollwertige Ernährung und reichlich Bewegung bilden die Basis für einen guten Blutzuckerspiegel.

In diesem Sinne – genießen Sie den Duft und das Aroma von Zimt und auch von anderen Weihnachtsgewürzen.


Quellenangaben und weitere Information
irmgard.luetticken@dlr.rlp.de     www.fze.rlp.de/ernaehrungsberatung