Winterhärte von Gehölzen | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Die letzten Jahre hatten überwiegend milde Winter und in Erwartung einer allgemeinen Klimaerwärmung zusammen mit dem Modetrend „mediterraner Garten“ wurden auch bei uns viele Wärme liebende Gehölze gepflanzt. Doch bereits im Januar 2009 herrschten deutliche Minustemperaturen und auch der Januar 2010 ist wieder ein "richtiger" Wintermonat. Es stellt sich für viele daher die Frage: „Sind diese Pflanzen für meinen Garten geeignet bzw. besitzen sie für meine Region genügend Winterhärte?“ Seit einigen Jahren finden sich in vielen Baumschulkatalogen Hinweise zur Winterhärtezone. Dieses System wurde vom „US Department of Agriculture“ entwickelt. Jede Zone umfasst 10 ° Fahrenheit oder 5,5 °C. Die durchschnittlich kälteste Temperatur eines Jahres gilt als Indiz für die Härte der Winter in dieser Region und bestimmt die Zugehörigkeit zu einer entsprechenden Zone. Auf dieser Basis wurde auch eine Karte der Winterhärte-Zonen für Gehölze in Europa von W. Heinz und D. Schreiber entwickelt (Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft Nr. 75) und erstmalig von A. Bärtels , "Gartengehölze" im Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 1981 veröffentlicht. Für Europa sind 11 Zonen (jeweils 5,5°C-Abstände) ausgewiesen, in Mitteleuropa kommen jedoch nur die Zonen 5 bis 8 vor. Diese wiederum wurden in Halbzonen (a und b) unterteilt, um dem verhältnismäßig kleinräumigen, mitteleuropäischen Klima gerecht zu werden.
Die Zuordnung in eine Winterhärte-Zone gibt Hinweise auf die kälteste Gegend, in der die Pflanze noch gedeihen kann. Das ist jedoch keine Überlebensgarantie! Gerade in den unteren Temperaturbereichen der Minimum-Zone kann es bedingt durch weitere Faktoren zu Frostschäden kommen. Man kann davon ausgehen, dass Gehölze in dieser Zone eine Überlebenschance von etwa 80 Prozent haben, die sich in der nächstfolgenden wärmeren Zone wesentlich erhöht. Leider Finden sich selten Angaben zur Maximal-Zone, in der die Pflanze noch gedeiht. Ist das Klima für eine Pflanze zu warm, kann es zum Ausbleiben von Blüten oder Früchten kommen. Die meisten Pflanzen haben jedoch nach oben eine sehr hohe Temperaturtoleranz, solange genügend Luft- und Erdfeuchte vorhanden sind. Wenn Sie auf der Karte die für Ihre Region zutreffende Klimazone gefunden haben, beachten Sie bitte, dass Abweichungen davon durch lokale Gegebenheiten verursacht werden können. Dabei kann das Kleinklima um eine ganze Klimazone milder oder härter sein:
Beachten Sie bitte: Auch innerhalb eines Grundstückes kann es aus den oben genannten Gründen mehr oder weniger Frostgefährdete Standorte geben! Abweichungen um eine ganze Klimazone sind dabei durchaus möglich! Wie wir im Januar 2009 sehen, Kann es auch bei uns extrem kalte Winter geben, in denen die mittleren jährlichen Minima der Lufttemperatur wesentlich unterschritten werden. Dann sind empfindlichere Gehölze gefährdet. Ein kleinklimatisch günstiger Standort und Winterschutz können gerade in solchen Jahren Frostschäden verhindern oder mindern. Ein weiterer Aspekt ist die Frosthärte der Pflanze. Sie ist zwar erbliche festgelegt, hat aber eine gewisse Bandbreite, die durch die Standortfaktoren beeinflusst wird. Dazu gehören die speziellen Bodenverhältnisse, das Nährstoffangebot und der Witterungsverlauf im Winterhalbjahr. Pflanzen die mit ausgereiften Trieben in den Winter gehen sind wesentlich frosthärter, als solche mit jungem Austrieb.
Auch das vorherrschende Klima hat Einfluss auf die Ausreifung der Gehölze. So haben wir in Deutschland sowohl Zonen mit maritimem Klima (Westen, Küstenregionen) als auch Regionen mit kontinentalem Klima (Osten). Kontinentales Klima ist geprägt durch stärkere Temperaturextreme; heiße Sommer und kalte Winter. Den Gehölzen kommt während der Vegetationszeit eine höhere Wärmesumme zu gute als in maritimen Gebieten. Die Pflanzen reifen sicherer aus, was ihre Frosthärte fördert. Die dort heimischen Pflanzen sind naturgemäß recht frosthart. So sollte man eigentlich davon ausgehen, dass sie problemlos das wesentlich mildere maritime Klima überstehen. Dem ist jedoch nicht so! Hier vertragen sie weit weniger tiefe Minusgrade, da sie besonders empfindlich für einen mehrfachen Wechsel zwischen Frost- und Wärmeperioden sind, der in diesem Klima häufiger auftritt.
Quelle für alle verwendeten Tabellen: W. Heinz und D. Schreiber, (Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft Nr. 75) in: A. Bärtels , "Gartengehölze" im Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 1981. Alle Bilder: Gartenakademie RLP -E. Morgenstern | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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