Neue Erfahrungswerte sammeln mit Hilfe des Gartentagebuches

Inzwischen haben wir den dritten Dürresommer in Folge, der Winter ist gefühlt ein verlängerter Herbst, der in ein sehr zeitiges Frühjahr übergeht. Die Obstblüte beginnt deutlich früher, Spätfröste richten dann entsprechende Schäden an…Damit verändert sich einiges bei der gewohnten Gartenarbeit: Saat- und Pflanztermine verschieben sich und bestimmte Bodenbearbeitungsmaßnahmen ergeben keinen Sinn mehr. Wer kann denn jetzt noch sicher mit einer „Frostgare“ rechnen, der den Boden des grob umgespateten Beetes feinkrümmelig macht? Und auch bestimmte Gemüsesorten, die sich jahrelang bewährt haben, können plötzlich Probleme haben. Gefragt sind neue Erfahrungswerte, die man nur gewinnt, wenn man Wetter und Pflanzenentwicklung beobachtet, experimentiert und dokumentiert.

Für letzteres bietet sich ein sogenanntes „Gartentagebuch“ an. Hier können täglich oder wöchentlich Eintragungen gemacht werden, die wesentliche Wetterhinweise zu Niederschlägen, Temperatur und Nachtfrösten enthalten. Aber auch Beobachtungen über das erste Erscheinen von Blattlaus und Co. sowie deren Gegenspielern und dem Auftreten von Pflanzenkrankheiten sind aussagekräftig. Neben dem Datum der Aussaat / Pflanzung bzw. Ernte hält man am Besten auch den Entwicklungsstand der Natur fest: Blühte gerade die Forsythie, hatte die Apfelblüte begonnen oder reiften die ersten Brombeeren…Das gibt im nächsten Jahr einen Anhaltspunkt, ob die Natur „früher“ oder „später“ ist und ob man zum gleichen Zeitpunkt oder entsprechend früher bzw. später aussät.

Sät bzw. pflanzt man dann mehrere Sätze in zeitlichem Abstand, so hat man recht schnell einen Vergleich, wie sich Salat bzw. Gemüse bei welchem Saattermin und welcher Witterung entwickeln. Bereits im nächsten Jahr kann man dann ausprobieren, ob sich der frühere /spätere Termin (falls dann die gleiche Zeigerpflanze blüht!) zur Aussaat bewährt.

Ähnliches gilt auch bei den verschiedenen Sorten. Auch hier wird es Gewinner und Verlierer geben. Sorten, die bisher nicht überzeugten, können unter Umständen mit dem sich verändernden Klima besser zurechtkommen, als andere. Bewährte Gemüsearten oder –sorten sind vielleicht nur noch bei sehr frühem Anbau erfolgversprechend. Mit Hilfe eines Gartentagebuches kann man sich sehr schnell neue Erfahrungswerte erarbeiten und weiterhin erfolgreich gärtnern.



eva.morgenstern@dlr.rlp.de     www.Gartenakademie.rlp.de drucken nach oben  zurück