Der Rasen ist tot – es lebe die Grünfläche!

Die heißen, trockenen Sommermonate haben den Rasenflächen stark zugesetzt. Ohne Bewässerung sind sie total vertrocknet. Wurde regelmäßig mit dem Sprenger bewässert, stellten sich Pilzerkrankungen ein, die die Halme absterben ließen. Nur bei einer Unterflurbewässerung war diese Gefahr etwas geringer. Und dann: Woher das Wasser nehmen? Aus der Wasserleitung ist es sehr teuer und bei dem Wassermangel ökologisch und sozial (wer will schon am Trinkwassermangel schuld sein?) nicht vertretbar und wird unter Umständen sogar verboten. Die Zisterne hat auch nur einen begrenzten Vorrat und wird ohne Regen nicht aufgefüllt. Aus Oberflächengewässer darf nicht abgepumpt werden… Total verbrannt und braun scheint er total tot. Was also tun? Neuanlegen - aber was ist dann im nächsten Jahr? Oder lieber abwarten oder ganz etwas anderes?

Wovon wir uns mit Sicherheit verabschieden müssen, ist der Rasen, wie wir ihn als Ideal des „englischen Rasens“ aus der Vergangenheit kennen. Es werden Saatmischungen mit Grasarten sein, die trockenheitsverträglicher sind, die nicht nur in den oberen 10 bis 15 cm wurzeln sondern bis zu 80 cm tief, so dass sie länger an die Reserven im Boden kommen. Aber selbst Rasenflächen aus solchen trockenheitsverträglichen Mischungen brauchen viel Wasser, wenn sie im Sommer grün bleiben sollen. Da dies auch in Zukunft knapp sein dürfte, müssen Intensivrasenflächen, die ständig gewässert werden, die Ausnahme bleiben. Wenn Rasen, dann vor allem „Extensivrasen“, also Mischungen von trockenheitsverträglichen Gräsern und Kräutern, die seltener gemäht und nie oder nur in Ausnahmefällen gewässert werden. Sie dürfen dann im Sommer auch braun werden. Solche Flächen sind ökologisch wertvoll, da sie auch Blütenpflanzen enthalten. Allerdings muss man sich von der Vorstellung eines immer gleichmäßig grünen Grasteppichs verabschieden. Hier erlebt man den Wechsel der Jahreszeiten: Saftig grün im Frühjahr, strohig- braun vertrocknet im Hochsommer und wieder ergrünend im Herbst. Wer das nicht möchte, dem bleibt als Alternative, die nicht zu begehenden Flächen mit geeigneten Bodendeckern zu bepflanzen.

Doch dies ist meist noch Zukunft. Brennend ist die Frage: „Was jetzt mit dem „toten“ Rasen tun?“ Die gute Nachricht: Er erholt sich wieder. Denn grundsätzlich ist der natürliche Lebensraum von Rasengräser überwiegend sommertrockene, vollsonnige Steppen und Trockenrasen. Die Blätter und Halme sterben bei Trockenheit ab, die Wurzeln überleben und treiben bei genügend Feuchtigkeit wieder aus. Allerdings sind dann Lücken entstanden, in denen angewehte Samen von Kräutern und Gräsern (dazu gehören auch z.B. die im Rasen ungeliebten, aber trockenheitsverträglichen Hirsearten) keimen können. Dies kann man bedauern und versuchen, dies durch gezielte Nachsaat von Rasengräsern ab September zu verhindern. Es kann aber auch der erste Schritt zum Umbau des Rasens zur extensiven Grünfläche sein. Will man bestimmte Kräuter gezielt etablieren, kann man sie durch Nachsaat einbringen. Doch bitte keine einjährige Blumenmischung nehmen – das funktioniert nicht! Direkt vor dem Nachsäen werden die vertrockneten Halme durch ausrechen oder leichtes vertikutieren entfernt. Nach dem Säen sollte es feucht sein, damit die Samen keimen können bzw. damit die Keimlinge nicht vertrocknen. Also den Wetterbericht studieren, um eine günstige Wetterperiode zu nutzen, sonst muss man wässern! Man kann das Säen auch der Natur überlassen. Natürlich können sich anstatt attraktiv blühender Wiesenkräuter auch Spitzwegerich, einjährige Rispe oder auch Disteln einfinden. Aber eine Grünfläche ist nun einmal artenreicher als ein Rasen und solche Pflanzen überstehen sommerliche Dürrephasen besser und die Fläche „ergrünt“ nach dem ersten Regen auch wieder schnell!

Die schlechteste Lösung ist sicher eine Rasenneuanlage, denn mit den gleichen Problemen ist im nächsten Sommer wieder zu rechnen.



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