Wandel und Wirklichkeit am Weinmarkt - Teil 1: Ergebnisse unserer Umfrage - zwischen Konsolidierung und Unsicherheit


Erste Ergebnisse einer Branchenumfrage unter rheinland-pfälzischen Weingütern

Der Weinmarkt steht unter spürbarem Druck: steigende Kosten, rückläufiger Konsum und veränderte Marktstrukturen stellen viele Betriebe vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen an Vermarktung, Vertrieb und strategische Ausrichtung.

Doch wie wird diese Situation in den Betrieben selbst wahrgenommen?

Um diese Frage zu beantworten, hat das Kompetenzzentrum Weinmarkt & Weinmarketing Rheinland-Pfalz im Zeitraum vom 12. Dezember 2025 bis zum 12. Februar 2026 eine Online-Umfrage unter rheinland-pfälzischen Weingütern durchgeführt.

Die Resonanz war groß: 1.380 Besucher auf der Umfrageseite und 657 vollständig ausgefüllte Fragebögen liefern ein belastbares Stimmungsbild aus der Praxis.

Ziel der Umfrage

Ziel der Erhebung war es, ein differenziertes Bild der aktuellen Situation zu erhalten: Wie bewerten Betriebe ihre wirtschaftliche Lage, welche Erwartungen haben sie an die kommenden Jahre und wie reagieren sie strategisch auf die Veränderungen?

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die Branche befindet sich in einer Phase der Neuorientierung und Anpassung.

Zentrale Erkenntnis: Konsolidierungsmodus

Ein zentrales Ergebnis der Umfrage ist der Konsolidierungsmodus vieler Betriebe. Investitionen werden aktuell häufig zurückgestellt oder reduziert – gleichzeitig verschieben sich Prioritäten klar in Richtung Vermarktung. Das unterstreicht die wachsende Bedeutung von Marke, Vertrieb und Kommunikation als strategische Hebel im Weinbau. Marketing entwickelt sich zunehmend vom ergänzenden Instrument hin zu einem zentralen Erfolgsfaktor.

Teil 1: Lageeinschätzung und Zukunftserwartung

Im ersten Teil der Auswertung stehen zwei zentrale Fragen im Fokus:

  • Wie bewerten Betriebe ihre aktuelle wirtschaftliche Lage?
  • Wie schätzen sie die Entwicklung in den kommenden Jahren ein?

Die Antworten zeichnen ein klares, aber differenziertes Bild. Ein Großteil der Betriebe bewertet seine aktuelle Situation als „befriedigend“.
Gleichzeitig schätzen
43 % ihre Lage als „schlecht“ oder „existenzbedrohend“ ein. Nur rund 20 % bewerten ihre Situation als „gut“ oder „sehr gut“.

Beim Blick nach vorn wird die Unsicherheit noch deutlicher: Während rund 40 % die Zukunft neutral oder positiv sehen und 39 % eine negative Entwicklung erwarten, können 21 % die Entwicklung derzeit überhaupt nicht einschätzen. Dieser letzte Wert zeigt, dass vielen Betrieben aktuell Planbarkeit und Orientierung fehlen – eine zentrale Voraussetzung für Investitionen und strategische Entscheidungen.

Welche Betriebe derzeit stabiler erscheinen

Neben der allgemeinen Lageeinschätzung lassen sich aus den Daten auch strukturelle Muster erkennen. Betriebe, die ihre aktuelle Situation positiv bewerten oder optimistisch in die Zukunft blicken, weisen überdurchschnittlich häufig folgende Merkmale auf:

  • stärkere Flaschenweinorientierung
  • höhere Investitionsbereitschaft
  • jüngere Betriebsführung
  • häufig eine geklärte Hofnachfolge
  • stabilere oder positivere Absatzentwicklungen, insbesondere im Export und bei alternativen Vermarktungsformen

Auffällig ist zudem, dass Betriebe mit 20–50 ha Rebfläche in dieser Gruppe überdurchschnittlich vertreten sind.

Wichtig ist dabei: Die Ergebnisse zeigen Zusammenhänge, keine Kausalitäten. Sie liefern jedoch wertvolle Hinweise darauf, welche Faktoren in der Praxis häufiger mit wirtschaftlicher Stabilität einhergehen.

Einordnung

Die Ergebnisse zeigen deutlich: Der Weinmarkt befindet sich nicht nur in einer wirtschaftlich angespannten Phase, sondern auch in einer Phase der strukturellen Neuorientierung.

Für viele Betriebe bedeutet das:

  • höhere Anforderungen an die Vermarktung
  • stärkere Differenzierung im Wettbewerb
  • und die Notwendigkeit, strategische Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen

Der Wettbewerb verschiebt sich damit zunehmend von der Produktion hin zur Vermarktung. Das Kompetenzzentrum Weinmarkt & Weinmarketing Rheinland-Pfalz wird diesen Prozess weiterhin begleiten und die Ergebnisse praxisnah aufbereiten.

Ausblick: Weitere Teile der Auswertung

Die vorliegenden Ergebnisse bilden den Auftakt einer mehrteiligen Auswertung.

In den kommenden Wochen werden unter anderem folgende Themen vertieft:

Teil 2: Entwicklung einzelner Absatzkanäle (Direktverkauf, Handel, Export, Gastronomie)
Teil 3: Investitionsverhalten und strategische Prioritäten der Betriebe
Teil 4: Herausforderungen im Marktumfeld und erwartete Einflussfaktoren






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