Warum bekomme ich kein Obst?

Regelmäßig sind Gartenfreunde enttäuscht, wenn sich an den Obstbäumen oder den Beerensträuchern kein Ertrag einstellt. Das kann verschiedene Ursachen haben, die sich aber ermitteln lassen.

Ohne Blüte keine Frucht
Eine reiche Blüte ist noch keine Garantie für eine gute Ernte, doch ohne oder nur einzelnen Blüten gibt es kein Obst! Sind die Gehölze noch jung und in einer starken Wachstumsphase, werden die Kräfte vorrangig in Holz- und Blattbildung und nicht in den Blütenansatz geleitet. Starke Stickstoffdüngung und ein wachstumsfördernder Winterschnitt begünstigen diese Entwicklung. Etwas Geduld und die Umstellung auf den Sommerschnitt sowie eine maßvollere Düngung sind in diesen Fällen zu empfehlen.

Bei bestimmten Obstsorten tritt auch regelmäßig eine Alternanz ein. Dies bedeutet, dass der Baum in einem Jahr übermäßig blüht und fruchtet, dabei sich so verausgabt, dass er für das nächste Jahr kaum noch Blütenanlagen bildet. Dem kann man entgegenwirken, in dem man in dem Jahr mit starken Behang rechtzeitig ausdünnt.

In ganz wenigen Fällen kann auch ein falscher Schnitt, bei dem die Blütenknospen abgeschnitten wurden, für die fehlende Blüte verantwortlich sein.

Trotz Blüte doch keine oder nur wenige Früchte
Auch wenn der Obstgarten in voller Blüte steht, kann es trotzdem zu keiner befriedigenden Bestäubung gekommen sein. Hier ist vor allem auf das Wetter und den Insektenflug während dieser Zeit zu achten. Nachtfröste können an den Blüten Frostschäden verursachen. Doch es braucht keine Minustemperaturen, kühle Tage reichen schon aus, damit die Befruchtung ausbleibt. Denn Hummeln und Wildbienen fliegen erst ab ca 7°C, Honigbienen erst ab ca 12 °C. Blühen die Bäume ab, ohne dass Bienenflug stattfand, fällt die Ernte geringer aus.

Mit dem richtigen Partner klappt es besser
Manche Obstarten sind Selbstbefruchter (Johannis-, Stachel-, Heidel-, Him- und Brombeeren, die meisten Sauerkirschen), andere benötigen eine Befruchtersorte. Aber auch bei den Selbstbefruchtern ist der Ertrag höher und sicherer, wenn ein Pollenspender in der Nähe steht. Diese Nähe wird durch die bestäubenden Insekten definiert: Honigbienen fliegen Blüten im Umkreis von bis zu 3 Kilometern um ihren Stock an, Hummeln und Wildbienen legen hier rund einen Kilometer zurück. Da Sie jedoch nicht unbedingt wissen, woher die Bienen kommen, hilft die Faustregel, dass mindestens im Umkreis von 50 m ein passender Befruchter stehen sollte. Dabei muss sich die Blütezeit der Partner mindestens um einige Tage überlappen.

Fast alle Apfel- und Birnensorten aber auch die meisten Süßkirschensorten sind auf Fremdbefruchtung durch eine andere, passende Sorte angewiesen. In einer Streuobstwiese mit vielen verschiedenen Sorten ist dies fast nie ein Problem. Stehen in einem Wohngebiet jedoch nur wenige Obstbäume, kann das Fällen des Bestäubers in der Nachbarstraße dazu führen, dass der eigene Baum nicht mehr trägt.



eva.morgenstern@dlr.rlp.de     www.Gartenakademie.rlp.de drucken nach oben  zurück