ERSTE ERGEBNISSE DER LEUCHTTURMPROJEKTE
Lucien Neser, Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten, Mainz
Im Rahmen der Umsetzung der Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtline besteht die Verpflichtung, die Gewässer wieder in einen guten chemischen (oder ggf. ökologischen) Zustand zu überführen. Mittelfristig muss zumindest eine Trendumkehr bei der Belastung mit Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen erreicht werden.
Im Projekt werden in fünf als repräsentativ ausgewählten Oberflächenwasserkörper (OWK) Monitorings auf 175 in der Praxis verbreitet eingesetzte PSM-Wirkstoffe durchgeführt. Um einen Trend bei der Entwicklung der Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffgehalte in OWK feststellen zu können, und um den großen Einfluss der aktuellen Jahreswitterung (Niederschläge/Niederschlagsverteilung) bewerten und (rechnerisch) eliminieren zu können, wird das Projekt über mehrere Jahre durchgeführt.
Je nach regionaler Gegebenheit sind die Oberflächenwasserkörper (OWK) unterschiedlich groß und unterschiedlich strukturiert. Mit den Projektgebieten sind die Hauptanbausparten des Landes abgedeckt.
In den Gebieten wird zu den Zielen der Wasserrahmenrichtline (WRRL) intensive Beratungsarbeit geleistet. Durch eine Vielzahl an Aktivitäten konnten geschätzte 70 bis 80 % der landwirtschaftlichen Praxis zumindest erreicht werden. Hierzu wurden in sämtlichen Gebieten Veranstaltungen, in welchen das Themengebiet schwerpunktmäßig behandelt wurde, durchgeführt (Rebschutzseminar, Ackerbautage, Kläranlagenbesichtigungen, etc.). Weiter wurde die Thematik auf Ackerbau-Felderbegehungen, Weinbau-Rundgängen, Vorträgen wiederholt angesprochen und diskutiert. In diversen Veröffentlichungen (Fachzeitschriften, Wetterfax, Warndienst, etc.) wurde die Thematik auf breitem Feld publik gemacht. Durch intensive Aktivitäten und Recherchearbeit seitens der DLR-Berater konnte im Rahmen der Bestandsaufnahme in den Einzugsgebieten ein relativ genaues Abbild der Pflanzenschutzpraxis in den Anbausparten gewonnen werden. Die Intention der WRRL ist mittlerweile wohl in der Praxis angenommen. Bei einigen Landwirten ist eine Änderung der Einstellung feststellbar.
Die Probennahmen selbst erfolgen am Auslauf der Kläranlagen, welche in die OWK entwässern. Die Probenziehung erfolgt während des gesamten Jahres als 14-tägige Mischproben. Die Logistik der Beprobung und die Analysen werden durch die Projektpartner, DLR Rheinpfalz und LUFA Speyer geleistet.
Binnen eines Jahres wurden in Simmern 6.441 g verteilt auf 47 Wirkstoffe, in Hahnheim 4.363 g verteilt auf 52 Wirkstoffe, in Lauterecken 3.059 g verteilt auf 44 Wirkstoffe und in Mendig 1.380 g verteilt auf 48 Wirkstoffe an Wirkstofffracht gemessen. In diesem Wert sind alle Wirkstoffgruppen erfasst. Einige Herkünfte von Wirkstoffen sind auf im Einsatzgebiet angebaute Kulturen zurückzuführen. Dies trifft auf die meisten der gemessenen Wirkstoffe zu. In der Landwirtschaft sind dies Wirkstoffe wie Isoproturon, MCPA, Mecoprop, Metamitron, Metazachlor. Dem Weinbau sind Frachten von Stoffen wie Boscalid, Dimethomorph, Fenhexamid, Fludioxonil, Folpet, Myclobutanil, Pyrimethanil zuzuordnen. Die Konzentration und Herkunft mancher Wirkstofffunde ist nur schwer erklärbar.
In allen Untersuchungsgebieten dominiert mit weitem Abstand mengenmäßig Glyphosat im Oberflächenwasser. In Simmern stellt die Glyphosatfracht anteilig 62 %, in Hahnheim 57 %, in Lautercken 57 % und in Mendig 23 % der Jahresfracht an Pflanzenschutzmittel dar. Als Eintrittspfade hoch wahrscheinlich sind sog.„Punktquellen“. Aus landwirtschaftlicher Sicht sind hier an erster Stelle Hofabläufe zu nennen, die u.A. auftreten, wenn Pflanzenschutzgeräte auf befestigten Hofflächen gereinigt werden und die Reinigungsflüssigkeit in die Kanalisation läuft. Ebenso können Fehler bei der Spritzenbefüllung oder beim Umgang mit unverdünnten Pflanzenschutzmitteln (z.B. Verschütten) auf den Hofflächen passieren. Oder Pflanzenschutzgeräte werden nicht überdacht abgestellt, und außen anhaftende Spritzbrühereste wird vom Regen abgewaschen. Mit Sicherheit stammt das Glyphosat in den Oberflächengewässern teilweise auch aus landwirtschaftlichen Betrieben. Die gefundene Menge und der zeitliche Verlauf der Einträge deuten jedoch stark daraufhin, dass der größte Teil nicht aus landwirtschaftlicher Nutzung stammt. Es liegt der begründete Verdacht nahe, dass in größerem Umfange von Privatleuten aber auch von Kommunen (Kommunalarbeitern) Glyphosat-Mittel auf befestigten Flächen (Hofflächen, Garageneinfahrten, Kopfsteinpflasterwege/-straßen, Abflussrinnen, Parkplätzen, etc.) vorschriftswidrig zur Unkrautbekämpfung eingesetzt werden. Das ausgebrachte Glyphosat lagert sich an die behandelte Oberfläche an, geht nach Niederschlägen wieder in Lösung und wird somit über einen längeren Zeitraum in die Kanalisation eingeschwemmt. Hinzu kommen noch eventuell Einträge durch die unsachgemäße Reinigung der Pflanzenschutzspritzen (Hand-/Rückenspritzen) bzw. Entsorgung von Brüheresten. |