Zehnmahl besser -- Trockensteherfütterung II

Stand: 01/30/2012
    
    dlz primus rind - Ausgabe Februar - Seite 26

Trockensteherfütterung Wie sind Trockensteher effektiv und erfolgreich zu füttern?Dr. Rudolf Schneider, DLR Westerwald-Osteifel in Montabaur, stellt zehn Möglichkeiten vor, wie sich die Trockensteherfütterung verbessern lässt.

Es ist auch mittleren und kleineren Betrieben durchaus möglich, ihre Trockensteherfütterung organisatorisch in den Gesamtbetrieb zu integrieren. Dabei gibt es jedoch keine Standardlösung (siehe Tabelle „ Vor- und Nachteile im Überblick"). In unserer Praxiserhebung zeigte sich, dass rund die Hälfte der Betriebe die Trockensteherfütterung auf der Weide umsetzen und rund ein Viertel eine zweiphasige Trockensteherfütterung im Stall realisieren.

1. Trockensteher auf der Weide

Häufig werden trockenstehende Kühe auf der Weide gehalten. Das verursacht geringe Kosten und die Tiere bleiben in Bewegung. Zudem lassen sich so schlecht zu bewirtschaftende Flächen sinnvoll nutzen. Häufig ist die Trockenstehphase für Kühe die einzige Möglichkeit, einige Wochen aus dem Stall zu kommen, da die Weidehaltung der Milchkühe heute für viele Betriebe nicht mehr infrage kommt. Die Weide wirkt sich besonders positiv auf Klauen und Gliedmaßen aus. Allerdings erfüllt der natürliche Aufwuchs die Ansprüche von trockenstehenden Kühen in der Regel nicht. Das Futterangebot schwankt und ist besonders in der ersten Jahreshälfte zu energie- und eiweißreich. Zudem enthält es ein Überangebot an Calcium und Kalium. Wird dann noch zu spät auf stärkereiches Laktationsfutter umgestellt, führt dies fast zwangsläufig zu Milchfieber und Ketosen in der Frühlaktation. Bei Trockenstehern auf der Weide, sollte man einige Grundsätze beachten:
  • Am besten sind extensive Weiden oder bereits beweidete Aufwüchse zu nutzen, damit die Tiere nicht zu stark auffleischen.
  • Weideflächen sollten möglichst nicht begüllt, sondern mineralisch gedüngt sein, um den Kaliumgehalt niedrig zu halten.
  • Strukturreiches Grobfutter (Heu oder energiearme Grassilage) beifüttern und einem speziellen Trockenstehermineralfutter (z.B. in Form von Leckmasse) ergänzen.
  • Kommt es häufig zu Stoffwechselerkrankungen (Milchfieber, Ketose, Nachgeburtsverhaltung usw.), gilt es, vorbeugend gegen Milchfieber zu behandeln (Vitamin D3-Injektion, Calciumboli) oder auf Weidehaltung ganz zu verzichten.
  • Kühe müssen zwei bis drei Wochen vor dem Kalben von der Weide und im Stall angefüttert werden. Nach unseren Erfahrungen geschieht dies häufig zu spät.
  • Wenn die schlechten Stallverhältnisse der begrenzende Faktor für die Tiere sind, ist ein Überversorgen auf der Weide für die Kühe zwar nicht weniger schädlich, aber vielleicht das kleinere Übel.

2. Einphasige Trockensteherfütterung

Wer nur eine Trockensteherration füttern kann, der muss während der gesamten Trockenstehphase die energiearme Ration der Früh-Trockensteher vorlegen. Die Anfütterung erfolgt dann erst nach dem Kalben. Da Pausenflora und Pausenzotten rund zwei Wochen benötigen, um sich an die neue energiereiche Ration zu gewöhnen, verheißt dies keinen guten Laktationsstart. Wir raten von dieser Fütterung ab.

3. Trockensteherration auf Vorrat mischen

Kleinere Betriebe haben häufig zu wenig Kühe, um mit dem Futtermischwagen eine homogene Ration für die Trockensteher zu mischen. Auch aus arbeitswirtschaftlichen Gründen mischen die Betriebe daher alle zwei bis drei Tage auf Vorrat. Allerdings kann die Futteraufnahme im Sommer schon am zweiten Tag deutlich abfallen. Um Nacherwärmungen zu verhindern, gilt es, Konservierungssäuren beizumischen oder bei warmem Wetter nur begrenzt Vorrat anzulegen.

Eine weitere Alternative ist das Anlegen einer Vorratssilage. Das heißt, das gesamte Futter wird für mehrere Wochen im Voraus angemischt und dann wieder einsiliert. Da sich die Rationen für Trockensteher aufgrund der höheren Anteile von Häckselstroh meist nicht ordentlich verdichten lassen, sind auch hier 4 bis 5 l Säure pro Tonne, bei höheren Strohanteilen sogar sieben bis 8 l unterzumischen. Außerdem zu beachten: Mineralstoffe, Spurenelemente und Viehsalz lassen sich mit einsilieren, keinesfalls Vitaminpräparate. Sie sind in der feuchten Mischsilage teilweise instabil und werden beim Siliervorgang zersetzt. Für eine Vorratssilage benötigt man zumindest eine betonierte Siloplatte. Zwar nimmt das Einsilieren längere Zeit in Anspruch, dafür geht aber das tägliche Füttern schneller vonstatten.

4. Ration für Jungrinder und Trockensteher

Um die Anzahl der Rationen in kleineren Betrieben zu reduzieren, bietet es sich an, den Jungrindern im zweiten Lebensjahr dieselbe energiearme Ration wie den Früh-Trockenstehern vorzulegen. Die Mineralisierung muss in diesem Fall den Ansprüchen der Trockensteher (calciumarm) entsprechen. Die Jungrinder erhalten zusätzlich in einem separaten Arbeitsgang noch etwas Futterkalk und eventuell Viehsalz. Auf diese Weise lassen sich beide Tiergruppen mit geringem Arbeitsaufwand bedarfsgerecht versorgen. Außerdem erhöht sich so die Anmischmenge im Futtermischwagen.

5. Ration der melkenden Kühe mit Stroh
Ein von vielen Betrieben angewendetes Konzept ist das Ausdünnen der Mischration für die melkenden Kühe mit Stroh. Dabei sind bei einer TMR für niederleistende Kühe rund 4 bis 4,5 kg Stroh pro Tier und Tag nötig, um daraus eine Trockensteherration zu machen. Maßgebend für den Erfolg ist, dass das Stroh gut eingemischt wird. Je mehr Stroh in die Ration kommen soll, desto kürzer sollte es sein. Eine Partikellänge von 2 bis 3 cm hat sich dabei als optimal erwiesen. Haferstroh wird zwar am liebsten gefressen, ist aber häufig verpilzt und weist von allen Stroharten die höchsten Kaliumgehalte auf. Ähnlich schmackhaft ist Gerstenstroh, aber auch Weizen- oder Triticalestroh wird noch gern gefressen. Dabei gilt: Nur qualitativ gute Partien nutzen, in die es nicht hineingeregnet hat! Wer mit einer verdünnten Milchviehration arbeitet, hat den Vorteil, dass er auch bei einer kleinen Tiergruppe täglich frisch anmischt.

Außerdem erhalten die Trockensteher schon vor dem Kalben alle Futterkomponenten aus der Mischration der melkenden Kühe. Häufig sorgen schlechte Strohqualitäten aber dafür, dass die Futteraufnahme zurückgeht. Oft wird auch zu lang gehäckseltes Stroh von den Kühen aussortiert. Meist verringern die Tierhalter dann die einzumischende Strohmenge. Das hat allerdings zur Folge, dass die Tiere zu viel Energie und Calcium aufnehmen. Eine Milchfieberprophylaxe ist so nicht mehr möglich.

6. Ration der Früh-Trockensteller aufwerten

Um die Trockensteherperiode in zwei Stufen zu gliedern, kann man die Früh-Trockensteherration mit einem Gemisch aus Getreide und Rapsextraktionsschrot zu einer Anfütterungsration ausbauen. Bewährt haben sich zusätzlich zur Früh-Trockensteherration zwei bis drei kg Kraftfutter in den letzten 2 bis 3 Wochen vor dem Kalben. Diese Methode deckt den gestiegenen Bedarf und lässt sich mit wenig Aufwand umsetzen. Sie setzt aber voraus, dass das Kraftfutter entweder separat am Fressgitter oder in einem eigenen Gruppenabteil zugefüttert wird.

7. Kühe 14 Tage vor dem Kalben in die Herde integrieren

Nicht selten werden Transitkühe mit der Ration der niederleistenden Tiere (20 bis 25 kg Milch) oder einer Teilmischration angefüttert. In manchen Betrieben kommen sie aber auch 14 Tage vor dem Abkalben in die laktierende Herde. In diesem Fall mögen die Tiere ausreichend mit Energie und Eiweiß versorgt sein und gewöhnen sich langsam an die Rationskomponenten des Laktationsfutters. Aber das Futter ist zu calciumreich. Wer Probleme mit Milchfieber im Bestand hat, sollte die Trockensteher in diesem Fall drei bis sechs Tage vor dem Kalben mit einer hochdosierten Vitamin D3-Injektion versorgen. Alternativ oder zusätzlich lässt sich ein Calciumbolus kurz vor oder nach dem Kalben verabreichen. Im Fall der Eingliederung in die Herde kann zusätzlich vermerkt werden, dass keine eigene Gruppe erforderlich ist und dadurch, dass sich die Tiere bereits vor dem Kalben in die Herde eingewöhnen können, zusätzlich Stress vermieden wird. Allerdings wiegt dieser Vorteil den genannten Nachteil kaum auf.

8. Melkende Ration plus saure Salze

Wenn Transitkühe mit der melkenden Ration angefüttert werden, können saure Salze eine effektive Milchfiebervorbeuge darstellen. Man sollte sie höchstens bis zwei Wochen vor dem Kalben verabreichen. Das Hauptproblem stellt die Akzeptanz saurer Salze dar. Damit die Tiere die Substanzen aufnehmen, gilt es, eine schmackhafte Mischung zu bereiten. Dazu eignen sich zum Beispiel Malzkeime, Getreide- oder Sojaschrot, mit denen man saure Salz im Verhältnis 1:1 vermischt. Um sicher kontrollieren zu können, dass die spezielle Kraftfuttermischung von den Tieren auch aufgenommen wurde, sollte ein Fressgitter vorhanden sein. Denn saure Salze bergen ein Gefahrenpotenzial: Erhalten die Tiere zu wenig, kann es zu Milchfieber kommen. Und ein Zuviel ist für die Kühe giftig. Daher muss man beides vermeiden. Das heißt auch, dass beim Dosieren genau gearbeitet werden muss. Das macht eine separate Waage zwingend erforderlich. Auf jeden Fall gilt es, im Vorfeld die Ration genau zu berechnen.

9. Einsatz von Caiciumbinder

Neu ist der Einsatz von Calciumbindern in der Trockensteherfütterung. Hierzu gehören unter anderem Zeolithe. Ihr Einsatz verringert jedoch gleichzeitig die Futteraufnahme. Daher haben sie in der Praxis kaum Bedeutung. Wesentlich verbreiteter ist dagegen die pansengeschützte Reiskleie. Im Gegensatz zu Zeolithen und einigen sauren Salzen sind keine negativen Auswirkungen auf die Futteraufnahme bekannt. Entscheidend ist jedoch, dass der Einsatz auf die gesamte Trockensteherration abgestimmt ist. So empfiehlt die Anbieterfirma über die gesamte Trockenstehphase eine maissilagebetonte Ration inklusive Eiweißausgleich.

Zusätzlich sollten reichlich Stroh und ein Trockenstehermineralfutter enthalten sein. In den letzten 2 bis 3 Wochen vor dem Kalben sollen je Tier und Tag noch 3 bis 4 kg geschützte Reiskleie am Fressgitter vorgelegt werden. Das Konzept scheint in vielen Betrieben zu funktionieren. Vorsicht ist in reinen Grünlandbetrieben ohne Maissilage geboten. Auch hier gilt es, vor dem Einsatz eines Calciumbinders eine Rationsberechnung durchzuführen. Denn in einigen Fällen ist es bei unsachgemäßer Anwendung zu schweren Stoffwechselstörungen und sogar zu Todesfällen der betroffenen Tiere gekommen.

10. Nur Stroh und Kraftfutter

Derzeit wird in Holland und im Nordwesten Deutschlands ein neues Fütterungskonzept erprobt. Hier erhalten die Kühe während der gesamten Trockenstehphase nur Stroh und Kraftfutter. Arbeitswirtschaftlich ist dies ein sehr einfaches Verfahren, da nur alle zwei bis drei Tage neues Stroh vorgelegt wird. Zusätzlich erhalten die Tiere in der frühen Trockenstehphase täglich 6 kg, in den letzten 2 Wochen vor dem Abkalben 8 kg eines speziellen Kraftfutters. Dieses wird mehrmals täglich am Fressgitter von Hand oder mit einem Transponder verabreicht. Die Kühe nehmen dabei bis zu 7 kg Stroh am Tag auf. Voraussetzung ist allerdings, dass es sich um qualitativ hochwertiges, optimal gelagertes Stroh handelt. Hier gelten die gleichen Voraussetzungen wie beim Ausdünnen der Ration mit Stroh. Vorteil: gute Milchfieberprophylaxe und geringerer Einsatz an Gras- und Maissilage. Außerdem erhalten die Tiere mit dem Kraftfutter bereits die stärkereichen Komponenten des Laktationsfutters in der Trockenstehphase.


Der hohe Kraftfutteraufwand verteuert jedoch die Fütterung. Bei knappem Strohangebot schlägt auch dessen Preis zu Buche. Und: Die Futteraufnahme und damit die Funktion des gesamten Systems hängt entscheidend von der Strohqualität ab. MP

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