Wildkräuter umweltfreundlich beseitigen

Das Arbeiten im Garten mit und an den Pflanzen ist für viele Hobbygärtner eine sinnerfüllende und befriedigende Tätigkeit. Man ist das ganze Jahr über draußen an der frischen Luft und erfreut sich der Vielfalt an Farben, Blüten und Früchten. Am schönsten ist es dann, wenn man nach getaner Arbeit von der Terrasse oder dem Gartenhäuschen das geschaffene genießen kann. Doch ein altes Sprichwort sagt: alles braucht beim wachsen seine Zeit – nur das Unkraut, das ist schneller!
„Unkraut“ – was für ein unschönes Wort für Pflanzen, die nur einen Makel haben: sie stehen nämlich in diesem Moment leider am falschen Platz! In der gärtnerischen Fachsprache haben sich deshalb andere Worte verbreitet: man spricht in diesem Zusammenhang von „Beikraut“ oder „Wildkraut“. Das hört sich doch schon viel moderater an, denn jeder Gartenfreund wird bestätigen, dass ein blühender Löwenzahn oder ein roter Klatschmohn reizvolle Blütenpflanzen sind – aber einfach nicht in ein Staudenbeet gehören. Grund genug, sich dieser unliebsamen, weil am falschen Platz stehenden, Pflanzen zu entledigen. Doch wie gelingt das am Besten?


Verschiedene Verfahren

Zur Beseitigung von Wildkräutern stehen verschieden verfahren zur Verfügung. Aber damit keine falschen Hoffnungen aufkommen: eine einmalige Maßnahme reicht da nicht aus, auch nicht mit einem speziellen Herbizid (Unkrautvernichtungsmittel). Die Freizeitgärtner finden also die biblische Schöpfungsgeschichte mehr als bestätigt, in der es heißt, dass der Boden „Dornen und Disteln“ wachsen lässt (Genesis 3.18) und dies offensichtlich schneller, als die kultivierten Pflanzen!
Geeignete Verfahren für den Garten sind:

Mechanische Verfahren:

  • Hacken, jäten
  • Gartenfugenbürste

Thermische Verfahren:
  • Heißer Dampf
  • Infrarottechnologie

Mechanische Verfahren: z. B. Gartenfugenbürste,

Diese Geräte sind genial einfach und dadurch in der Handhabung einfach genial: Die Drahtfugenbürste wird auf einen handelsüblichen Besenstiel gesteckt und schon kann es los gehen. Ideal für Menschen, die entweder „möglichst weit weg von der Arbeit sein wollen“ oder sich nicht bücken wollen (oder können). Der lange Stiel ermöglicht ein rückenschonendes Arbeiten in Pflasterflächen und Fugen. So „bürstet“ man auf Gehwegen oder Bordsteinkanten mit geringem Kraftaufwand Moos und Wildkraut einfach weg!
Bewertung: einfache und preiswerte Arbeitshilfen, ideal für kleinere oder gepflasterte Flächen. Kosten: zwischen 10 – 20 Euro inkl. Ersatzbürsten. Für Menschen, die alle Arbeiten am liebsten mit motorgetriebene Geräten erledigen wollen gibt es solche Fugenbürstengeräte auch mit Elektromotor (Im Gartenfachhandel, ca. 50 – 60 Euro)!
Informationen: http://www.lavie-deutschland.com , http://www.fairy-systems.com


Genial einfach - einfach genial: Fugenbürsten auf Besenstiel
Thermische Unkrautbekämpfung mit heissem Dampf
© DLR
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Thermische Verfahren

Heißer Dampf

Bei diesem Verfahren wird heißer Wasserdampf auf die unerwünschte Pflanzen gesprüht. Dadurch werden Vegetationspunkt und die Zellen zerstört bzw. das Zelleiweiß gerinnt. Die Wirkung ist schon nach wenigen Minuten feststellbar, weil sich das Pflanzengewebe dunkel verfärbt, später vertrocknen sie und zerfallen. Auf der Bodenoberfläche befindlicher Samen soll nach der Behandlung zu 90% nicht mehr keimfähig sein. Auch hier sind – wie bei allen Verfahren - mehrere Behandlungen pro Jahr erforderlich. Die Anzahl schwankt je nach Art, Anzahl und Alter der Unkräuter, des Bodenbelags und der Witterung, von 5 – 8 x kann man aber ausgehen.
Für den Garten werden Handgeräte angeboten (z. B. von der Firma Fiskars), Kosten ca. 50 – 100 Euro.

Infrarottechnologie

Hierbei werden durch einen Gasbrenner in Verbindung mit Keramik-Brennelementen eine Temperatur von etwa 1000° C erzeugt. Diese intensive Infrarot-Wärme-Strahlung trifft gezielt auf Wildkräuter und Samen. Bei diesen Temperaturen wird das Gewebe zerstört und die Zellen platzen. Die Pflanzen beginnen zu welken und werden innerhalb kürzester Zeit braun. Im Gegensatz zum Jäten oder Herbizideinsatz zerstört die Strahlung gleichzeitig auch die Flugsamen. Da die Wärmeenergie bei der kurzen Behandlungszeit nicht mehr als 2 mm in den Boden eindringt, werden die Bodenlebewesen nicht beeinträchtigt. Lt. Hersteller liegt der Bearbeitungspreis bei etwa 1 Cent/qm. Alle Geräte sind einfach und sicher zu bedienen und sind TÜV-geprüft (Gütezeichen GS: Geprüfte Sicherheit). Bewertung: Die Infrarot-Technologie ist eine deutliche Verbesserung der Abflammgeräte. Denn hierbei kommen die Pflanze nicht mit der offenen Flamme in Berührung sondern werden nur von der Wärmeenergie getroffen. Dadurch liegt der Gasverbrauch deutlich niedriger.
Einfach in der Handhabung, für kleine Flächen, in bepflanzten Beeten, , Gewächshaus, Staudenbeet, Kanten, Hofflächen etc. . Gewicht mit Gaskartusche: 1,6 kg, Strahlerfläche: 170 x 85 mm. Preis: ca. 150 Euro (Modell Puzzy-Lady). Informationen und Bezug: http://www.puzzy-boy.de.


Verschiedene Geräte für die Unkrautbekämpfung im Garten (v. o. n. u.):
Heißdampfgerät - elektrischer Unkrauttrimmer - Infrarotgerär (elektrisch) - Abflammgerät (Gas)
© DLR
Grundsätzlich ist die Wildkrautregulierung aber eine jahresfüllende Aufgabe, die zur Gartenarbeit einfach dazu gehört. Für manche Gartenfreunde, im besonderen solche mit überwiegend sitzender Bürotätigkeit, ist das sogar eine willkommene Tätigkeit, denn hierbei kann man mit beiden Händen in der Gartenerde wühlen – und hat dabei richtig was geschafft! Damit der Aufwand aber nicht zu groß wird, kann man auch vorbeugende Maßnahmen treffen:
  • Als Grundsatz gilt: Den unerwünschten Pflanzen so früh wie möglich zu Leibe rücken!
  • Stark verunkrautete Flächen kann man 1 Jahr liegen lassen bei gleichzeitiger konsequenter Bodenbearbeitung oder Abdeckung mit einer schwarzen, lichtdichten PE-Folie.
  • Bodenabdeckung mit Kompost oder Rindenmulch. Die unerwünschten Pflanzen lassen sich so leichter herausziehen und brauchen zum Keimen etwas länger. Eine gute Strategie z. B. gegen Giersch.
  • Mulchstoffe aus Rinde, Holz oder Stroh (auch Miscanthus-Stroh) mindern den Unkrautbewuchs in Staudenbeeten und können zu einer deutlichen Zeiteinsparung bei der Pflege von bis zu 50 % führen.
  • Mit im Handel erhältlichen Mulchscheiben aus Kokosfaser, Pressspan, Holzfaser etc. kann die Baumscheibe der Gehölze vor Unkraut bewahrt werden.
  • Für trockene Freiflächen, Steppenheide und Steingarten können auch mineralische Abdeckmaterialien wie Lava, Kalk- und Ziegelsplitt oder Blähschiefer in einer Schichtstärke von 3-5 cm eingesetzt werden.
  • Regelmäßiges Hacken, um Samenunkräuter am Blühen zu hindern.
  • Noch sicherer: Rechtzeitiges Entfernen von Samenunkräutern, und zwar vor der Blüte! Denken Sie an das alte Gärtnersprichwort „ Läßt Du ein Jahr das Unkraut stehen, musst` 7 Jahr du jäten gehen!“. Diese Pflanzen sind nicht zu unterschätzen besitzen teilweise sagenhafte Reproduktionsraten: so kann eine Pflanze der kleinen Brennessel bis zu 1000 Samen erzeugen, eine Ackerkratzdistel bis zu 5000, eine geruchlose Kamille bis zu 200.000 und ein Rauhaariger Amaranth bis zu 1 Million Samen! Sind die Samen einmal im Garten, können sie oft über viele Jahre dort überleben. Am längsten halten es Vogelmiere und die gemeine Rispe mit über 60 Jahren aus!
  • Wurzelteile oder Rhizome von Wurzelunkräutern (Quecke, Distel, Giersch, Schachtelhalm etc.) systematisch mit der Grabegabel aus dem Boden stechen und entfernen.
  • Bestimmte Wildkräuter können auch durch eine Veränderung des Ph-Wertes, Entwässerung (Drainage) oder Bodenbelüftung wirksam bekämpft werden.





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