Futtererbsen, eine Anbaualternative zu Braugerste

Stand: 08/05/2011
Autor: Peter Zilles, DLR Westerwald-Osteifel


Durch den Verfall der Braugerstenpreise und den konstant hohen Sojaschrotpreisen im Jahr 2009 kann der Anbau von Futtererbsen nicht nur eine Alternative sein für die Produktion von Eiweißfuttermittel sondern auch als Ersatz für im Deckungsbeitrag defizitäre Braugerste.


Details anzeigen für ErtragswerteErtragswerte
Details anzeigen für Faktoren, die den Ertrag beeinfussenFaktoren, die den Ertrag beeinfussen
Details anzeigen für Hinweise zur Optimierung des ErtragesHinweise zur Optimierung des Ertrages
Details verbergen für Betriebswirtschaftliche KennzahlenBetriebswirtschaftliche Kennzahlen
Die Wirtschaftlichkeit von Futtererbsen muss im Zusammenhang mit der Fruchtfolge gesehen werden. Ihr Vorfruchtwert ist sehr schwer zu beziffern, in Literaturangaben schwankt er zwischen 100 und 220 €. Er ist vom Getreideanteil in der Fruchtfolge, vom Mehrertrag der Folgefrucht (in der Regel Winterweizen), von der Einsparung an N-Dünger und der Einsparung der Pflugfurche zur Folgefrucht abhängig.
Die im folgenden dargestellten Deckungsbeiträgen basieren auf den vom Statistischen Landesamt Rheinland-Pfalz in 2009 ermittelten Durchschnittserträgen.
Details anzeigen für Tabelle DeckungsbeiträgeTabelle Deckungsbeiträge
Die verwendeten Erzeugerpreise für Winterweizen, Braugerste Winterraps und Wintergerste stammen aus Veröffentlichungen der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz im Januar 2010. Im Mittel des Jahrs 2009 erzielten Futtererbsen in der Köln-Aachener-Bucht einen Preis von 13,76 € / dt. Dabei lag das Minimum bei 12.40 €/dt und das Maximum bei 15,00 €/dt.
Futtererbsen werden nur im geringen Umfang vermarktet. In der Regel werden sie als Eiweißträger in Konkurrenz zu Sojaschrot im Betrieb verfüttert. Setzt man die in der folgenden Tabelle dargestellten Werte aus der DLG Futterwerttabelle voraus, ersetzen in der Rinderfütterung 0,303 kg Soja plus 0,699 kg Weizen ein kg Erbsen. Geht man von einem nutzbaren Rohproteingehalt (nXP) bei Erbsen 16,5%, bei Sojaschrot 25,3 % und bei Weizen 15,1% aus, ersetzen 0,134 kg Soja plus 0,868 kg Weizen ein kg Ebsen. In der Schweinemast entsprechen 0,492 kg Soja plus 0,534 kg Weizen einem kg Erbsen.
Details anzeigen für Tabelle FutterwertvergleichTabelle Futterwertvergleich
Aus diesen Werten lassen sich die in der nächsten Tabelle dargestellten Substitutionswerte für Futtererbsen errechnen.
Details anzeigen für Tabelle SubstitutionswerteTabelle Substitutionswerte
In der Schweinefütterung haben Erbsen ein ungünstigeres Verhältnis der Aminosäuren untereinander. Insbesondere der Überhang an Lysin gegenüber Methionin und Cystin macht eine Ergänzung in der Mineralstofffütterung unumgänglich. Erbsen können bis zu 10% bei Ferkeln, bis zu 20 % in der Vormast und Endmast in der Gesamtration bei Sauen eingesetzt werden. In der umsetzbaren Energie sind Erbsen dem Sojaschrot in der Schweinefütterung sogar leicht überlegen.
In der Rinderfütterung ist in Abhängigkeit von den eingesetzten Grundfuttermitteln und dem Eiweißgehalt der Erbsen eine ausgeglichene Ration bei einem Einsatz von maximal 4-5 kg Erbsen pro Tag möglich.
Bei einem Preis von 33 €/dt Sojaschrot und 10 €/dt Weizen ergibt sich der in der Deckungsbeitragsrechnung angenommene Wert für Erbsen von ca. 17 € /dt in der Rinderfütterung.
Die dargestellten Düngungs- und Pestizidaufwendungen sind nur beispielhaft und jahres- und betriebsspezifisch unterschiedlich. Bei der Berechnung wurde ein erhöhter Vorfruchtwert oder eine eventuell eingesparte Pflugfurche nach Futtererbsen nicht berücksichtigt.
Für den Anbau von Eiweißpflanzen wird eine Prämie in Höhe von ca. 56 €/ha gewährt. Die Prämie wird zu der Betriebsprämie gewährt. Der Mischanbau mit Getreide ist nicht förderfähig. Die Mindestantragsfläche beträgt 0,3 ha.
Da Futtererbsen als Sommerung die Braugerste ersetzen und als Folgefrucht wieder Winterweizen möglich ist, kann auch die Wintergerste durch den profitableren Winterweizen ersetzt werden.
Details anzeigen für Tabelle Vergleich Fruchtfolgen und DeckungsbeitrageTabelle Vergleich Fruchtfolgen und Deckungsbeitrage
In meisten rindviehhaltenden Betrieben wird zudem noch der Silomais in der Fruchtfolge stehen, so dass Anbaupausen von fünf Jahren bei Erbsen eingehalten werden können. Ansonsten besteht die Gefahr, dass bei zu häufigem Erbsenanbau ein vermehrter Befall von Ascoshyta-Brennflecken auftritt. Die Notwendigkeit einer fungiziden Behandlung würde den Erbsenanbau unrentabel machen.

Für die viehhaltenden Betriebe in den Mittelgebirgslagen wird die Futtererbse trotz hohem Ertrags- und Ernterisiko eine Alternative zur Braugerste darstellen.
Da die Energie- und Eiweißgehalte stark schwanken können, sind Futtermitteluntersuchungen unumgänglich.
Der Arbeitsaufwand ist dem im Braugerstenanbau vergleichbar.
Ein finanzieller Vorteil kann nur dann optimal realisiert werden, wenn nach den Erbsen auch Winterweizen angebaut wird. Damit erhöht sich der Weizenanteil in der Fruchtfolge, was vom Landwirt arbeits- und zeittechnisch berücksichtigt werden muss. Besonders in den Mittelgebirgslagen kann eine spätere Weizenernte im Vergleich zur Wintergerstenernte, bei der Rapsaussaat zu einer erhöhten Arbeitsbelastung führen.





Peter.Zilles@dlr.rlp.de     www.DLR-Westerwald-Osteifel.rlp.de drucken