Der Fingerhut - ein Blickfang im sommerlichen Garten

Die Blütenstände des Fingerhuts begegnen uns im Sommer nicht nur an Waldrändern oder –lichtungen
sondern auch in unseren Gärten. Der Fingerhut (Digitalis) gehört zur Familie der Rachenblütler
(Scrophulariaceae). Sowohl der lateinische wie auch der deutsche Name beschreibt die die
röhrig-glockige Blütenform dieser Pflanze. Von den kanarischen Inseln bis nach Mittelasien finden
sich 25 Arten der Gattung Digitalis. Davon sind in Mitteleuropa 6 Arten in der Natur zu finden, von denen
der Rote (Digitalis purpurea), der Gelbe (Digitalis lutea) und Großblütige Fingerhut (Digitalis grandiflora)
ursprünglich bei uns heimisch sind. Die anderen Arten stammen aus Südeuropa und sind, von Gärten
ausgehend, teilweise verwildert.
Fingerhut ist eine der klassischen Pflanzen des Bauerngartens sowie eine beliebte Pflanze in
romantischen Gärten. Aus der Blattrosette erhebt sich der Blütenstängel mit vielen Einzelblüten,
die in einseitiger überhängender Traube angeordnet sind. Dabei ist die Blütenfarbe, ganz gleich ob
gelb, orange oder rot immer in einem etwas gedämpften, eher pudrig-pastelligen Ton dieser Farbe
gehalten und passt sich somit wunderbar in den Blütenreigen anderer Schatten- oder
Halbschattenpflanzen ein.

Der Fingerhut – hilfreich und gefährlich
Für viele Menschen hat diese Pflanze eine Aura des Geheimnisvollen, schon fast Magischen. Dies
liegt zum einen an den oft verwunschen anmutenden Standorten im lichten Schatten von Gehölzen,
zum andern an ihrer zwiespältigen Eigenschaft: Digitalis ist sowohl eine hochwirksame Heil- als auch
starke Giftpflanze. Es ist belegt, dass Fingerhutblätter ab dem 12. Jahrhundert äußerlich gegen Geschwüre
und zur Wundheilung eingesetzt wurden. Heute werden daraus hochwirksame Herzmedikamente
gewonnen. Allerdings gilt auch hier was Paracelsus (1494 - 1541 ) sagt:Alle Dinge sind Gift, und
nichts ohn‘ Gift, allein die Dosis macht , dass ein Ding kein Gift ist“. Die Dosis für Heilwirkung und
Vergiftung liegen beim Fingerhut sehr eng zusammen. Alle Fingerhutarten enthalten in allen Pflanzenteilen
giftige Substanzen, die zu schweren Herzrythmusstörungen führen können. Neben dem Roten Fingerhut
(Digitalis purpurea), der im Jahr 2007 in Deutschland zur Giftpflanze des Jahres gewählt wurde, ist für die
pharmazeutische Industrie auch der Wollige Fingerhut (Digitalis lanata) durch seinen besonders hohen
Wirkstoffgehalt von Bedeutung. Diese aus Südosteuropa stammende Fingerhutart wird inzwischen
feldmäßig angebaut. Der Wollige Fingerhut hat einen weiß-braunen Blütenstand und wird bis zu einem
Meter groß. Grundsätzlich sollte man Fingerhüte nicht in Gärten anbauen, in denen sich Kleinkinder
aufhalten, denn gerade bei Kindern kommt es oft zu Vergiftungen. Ältere Kinder sollte man über die
Gefahren, die von giftigen Pflanzen ausgehen, rechtzeitig aufklären.

Verwirrend: Zweijährig Pflanze oder Staude?
Vielfach findet man den Fingerhut in Büchern oder Samenkatalogen den zweijährigen Pflanzen
zugeordnet, in anderen wiederum den Stauden. Zur weiteren Verwirrung trägt bei, dass sich bei
einzelnen Arten oder Sorten Hinweise finden wie “…ausdauernder als..“ Muss er also immer
wieder ausgesät werden oder habe ich viele Jahre Freude an ihm? Tatsächlich ist der Fingerhut hier
nicht eindeutig zu zuordnen. Häufig verhält er sich wie eine zweijährige Pflanze: Im Saatjahr entwickelt
er nur eine Blattrosette, im zweiten Jahr kommt er zur Blüte. Danach kann er absterben, oft übersteht
er jedoch den Winter nach der Blüte und blüht erneut. Damit ähnelt er einer kurzlebigen Staude und
es wird daher manchmal der Begriff Halbstaude verwendet. Ob der Fingerhut zweijährig oder eher
eine Halbstaude ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. So erzeugt ein Rückschnitt nach der
Blüte oft eine zweite Blüte. Dies kann sich einige Jahre wiederholen, doch dann stirbt sie ab. Auch
gibt es Sortenunterschiede. Da sich Fingerhut jedoch sehr gut selbst aussät, entsteht oft auch der
Eindruck, der Fingerhut würde viele Jahre lang blühen. Dabei handelt es sich jedoch immer wieder
um Jungpflanzen, die zur Blüte kommen. Einige Fingerhutarten sind jedoch tatsächlich Stauden.

Vielfalt in Höhe und Farbe
Je nach Digitalis-Art und der jeweiligen Sorte gibt es große Unterschiede in Höhe und Farbe. Bei
dem Gartenfingerhut handelt es sich häufig um Sorten des roten Fingerhutes (Digitalis purpurea).
Die meisten diese Sorten können um 1,5 m hoch werden.

I
Im Handel werden auch bunte Samenmischungen von Digitalis purpurea Sorten angeboten.
Seltener in Gärten anzutreffen, aber ebenfalls gut aus Samen zu ziehen bzw. in Staudengärtnereien
zu erhalten sind die untenstehenden Fingerhutarten.

DigitalisartBlüteBlüte-
zeit
Höhe bis ca.Gruppe
Rostiger Fingerhut
(D. ferruginea)
mattgelb, rotbraune Adern6-8180 cm.2-jährig/ Halb-
staude
Großblütiger Fingerhut
(D. grandiflora)
hellgelbe Blüte mit braunen Adern6-7100 cm2-jährig/ Halb-
staude
Balkanfingerhut
(D. laevigata)
bräunlich gelb6-8 80 cmStaude
Wolliger Fingerhut
(D. lanata)
weißlich bis hellocker, mit dunkleren Adern, im Blütenbereich wollig6-9100 cm2-jährig/ Halb-
staude
Gelber Fingerhut
(D. lutea)
gelbliche Blüte, kleinblumig6-8 80 cmStaude
Englischer Fingerhut (Digitalis X mertonensis =
D. grandiflora X D.purpurea)
lachsrosa5-7120 cmStaude
Iberischer Fingerhut
(D. thapsi)
purpurrosa6-860 cmStaude

Die beste Aussaatzeit ist für Fingerhut direkt nach der natürlichen Samenreife – also während der
Sommermonate -, wenn er sich auch selbst aussäen würde. Eine Aussaat im Frühjahr (März/April)
unter Glas ist jedoch auch möglich. Obwohl man direkt ins Beet säen kann, hat es sich in der
Praxis bewährt, unter kontrollierten Bedingungen auf steriler Aussaaterde auszusäen. Den feinen
Fingerhutsamen mischt man am Besten mit feinkörnigem Sand, damit nicht zu dicht gesät wird.
Der Samen wird nur angedrückt (Lichtkeimer) und vorsichtig mit einem Zerstäuber angefeuchtet,
denn ein schärferer Wasserstrahl lässt das Saatgut sehr schnell wegschwemmen! Wichtig ist,
dass die Erde gleichmäßig feucht bleibt, also nie austrocknet aber auch nicht vernässt. Sobald
sich die Keimblätter voll entwickelt haben und die ersten Folgeblätter entfaltet sind, ist es Zeit zum
Pikieren. Die Sämlinge werden dann in kleine Töpfchen oder Multiplatten in nährstoffarme
Anzuchterde gepflanzt. Sobald sich dann kräftige kleine Pflanzen entwickelt haben, kommen sie
an ihren endgültigen Standort im Garten.

Der richtige Standort
Die meisten Fingerhutarten sind Waldrandpflanzen und bevorzugen einen Standort, der dieser
natürlichen Umgebung nahe kommt: nährstoff- und humusreiche, feuchte, gut durchlässige
Böden im wandernden Schatten lichter Bäume. Je nach Fingerhutarten gibt es jedoch davon
abweichende Ansprüche:




Fingerhüte sind für naturnah gestaltete Gärten und Heidegärten mit Polsterpflanzen besonders
geeignet. Hier kommen sie vor dunklen Nadelgehölzen und Farnen gut zur Geltung. Aber auch
alle Waldrandsituationen im Garten, also Vorpflanzungen vor Ziersträucherrabatten oder
Unterpflanzungen von lichten Bäumen, bieten sich als Standort für den Fingerhut an. Zusammen
mit anderen Halbschatten liebenden Pflanzen wie Silberkerze, Elfenblume, Waldsteine, Schaumblüte,
Ballonblume und Gräsern wirken sie hier sehr gut. Dabei sollte der Fingerhut - je nach Ar t- in
Gruppen von 3-10 Pflanzen (Digitalis gradiflora) bzw. 10 – 20 Pflanzen (Digitalis purpurea) gepflanzt
erden, damit er optimal zur Geltung kommt.


Wollige Fingerhut (Digitalis lanata) im Feldanbau für die pharmazeutische Industrie
typischer Waldrandsituation mit Fingerhut

Fotos: © DLR

Gelber Fingerhut
(D. lutea)


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