Fette und Öle in der Kinderernährung

Stand: 07/17/2017
Fette und Öle sind lebenswichtig. Kinder brauchen sie als
  • Energiespender
  • Bausubstanz für Körperzellen und Hormone
  • Träger fettlöslicher Vitamine
  • Lieferant lebensnotwendiger Fettsäuren.

Als Träger von Geschmacks- und Aromastoffen ist Fett für den Genuss und Wohlgeschmack der Speisen mitverantwortlich. Mit rund 9 kcal pro Gramm liefert es jedoch auch reichlich Energie.

Für Kinder gilt wie für Erwachsene: Fett und fettreiches Essen sparsam verzehren und das richtige Fett auswählen.


Was ist die richtige Menge?

Bei Kleinkindern (1 - 4 Jahre) liegt der Richtwert für die empfohlene Fettmenge bei 30 bis 40 % der Gesamtenergie. Im Hinblick auf Wachstum und Entwicklung wird die notwendige Energiezufuhr durch einen höheren Fettanteil in der Nahrung erleichtert.
Kinder ab 4 Jahren sollten nur noch 30 bis 35% der täglichen Gesamtenergie in Form von Fetten und Ölen verzehren.

Daraus ergeben sich als Anhaltswerte für die verschiedenen Altersgruppen:

Jungen (PAL 1,6)
Mädchen (PAL 1,6)
Alter
Fettzufuhr/ Tag
Fettzufuhr/ Tag
1 bis unter 4 Jahre
42-56 g
39-52 g
4 bis unter 7 Jahre
52-60 g
48-56 g
7 bis unter 10 Jahre
61-72 g
58-68 g
10 bis unter 13 Jahre
71-83 g
65-75 g
13 bis unter 15 Jahre
84-98 g
71-83 g

Nicht alle Fette sind für uns so sichtbar wie Butter, Margarine oder Öl. Oft „verstecken“ Fette sich in Lebensmitteln, z. B. in Wurst, Käse, Schokolade und Gebäck. Die empfohlene Fettmenge sollte etwa zur Hälfte aus sichtbaren und zur anderen Hälfte aus den so genannten versteckten Fetten bestehen.

Tatsächlich entspricht der Fettanteil an der Energiezufuhr bei Kindern im Durchschnitt den Empfehlungen, während er bei Jugendlichen darüber liegt. Das Fett stammt hauptsächlich aus Fleisch- und Wurstwaren, Süßwaren und Milchprodukten. Entgegen den Empfehlungen werden so reichlich gesättigte Fettsäuren und zu wenige mehrfach ungesättigte Fettsäuren aufgenommen.

Wer Getreideprodukte, Kartoffeln, Gemüse und Obst in den Mittelpunkt der Kinderernährung stellt, kann eine fettbewusste Ernährung umsetzen und muss weder auf Genuss noch auf gelegentliche Schlemmereien verzichten.
Beim Fettsparen helfen folgende Tipps:
  • Butter sparsam auf's Brot streichen („kratzen“)
  • zum Braten beschichtete Pfannen verwenden
  • bei Käse und Wurst die fettärmeren Varianten wählen
  • Soßen anstatt mit Sahne mit Milch oder püriertem Gemüse verfeinern
  • auf das Verhältnis von Brot zu Brotbelag achten - also dicke Brotscheibe und wenig Belag, dazu als frische Komponente Rohkost.

Weitere Anregungen:
Krankenhaus für Sportverletzte Hellersen (Hrsg.): Anstatt-Tabellen, im Internet unter www.sportmedizin-hellersen.de (Zugriff 17.07.2017)

Was ist das richtige Fett?

Für die Fettqualität spielt der Gehalt an verschiedenen Fettsäuren eine Rolle. Aufgrund ihrer Unterschiede in der chemischen Struktur haben sie im Körper unterschiedliche Stoffwechselwirkungen.

Gesättigte Fettsäuren
...lassen im Blut die Menge an unerwünschtem Cholesterin (LDL-Cholesterin) in die Höhe klettern und gelten daher als ungesund. Vor allem Lebensmittel tierischer Herkunft wie Butter, Sahne oder Fleischerzeugnisse sind reich an gesättigten Fettsäuren. Ebenso kommen diese reichlich in Kokosfett und Palmkernfett vor, welche in der Küche wegen ihrer Hitzebeständigkeit gerne zum Frittieren oder Braten bei hohen Temperaturen genutzt werden, ebenso aber auch bei der Herstellung von Süßwaren mit Fettglasuren.

Einfach ungesättigte Fettsäuren
...senken das LDL-Cholesterin und können die Menge an "gutem" HDL-Cholesterin leicht anheben. Reich an einfach ungesättigten Fettsäuren sind vor allem Rapsöl und Olivenöl.

Von den mehrfach ungesättigten Fettsäuren
...sind besonders die Omega-6- und Omega-3- Fettsäuren zu erwähnen. Da der Körper sie nicht selbst aufbauen kann, müssen sie regelmäßig mit der Nahrung aufgenommen werden. Omega-6-Fettsäuren erniedrigen aktiv den Cholesterinspiegel im Blut. Omega-3-Fettsäuren wirken günstig auf den Triglyceridspiegel, verbessern darüber hinaus die Fließeigenschaft des Blutes und beugen so Ablagerungen in den Blutgefäßen vor. Sie beeinflussen das Immunsystem und hemmen Entzündungsreaktionen.
Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren werden im Körper zu Botenstoffen und Gewebshormonen umgebaut. Beide konkurrieren dabei um die gleichen Enzymsysteme. Deshalb ist ein gesundes Gleichgewicht zwischen den Fettsäuren wichtig. Anzustreben ist ein Verhältnis der Omega-3-Fettsäuren zu den Omega-6-Fettsäuren von mindestens 1:5, das in der Praxis allerdings oft nicht erreicht wird.
Gute Quellen für Omega-3-Fettsäuren sind Rapsöl, Walnussöl und Leinöl sowie fettreiche Fische (Hering, Makrele, Lachs), während Sonnenblumenöl, Maiskeimöl und Sojaöl vor allem Omega-6-Fettsäuren enthalten.

Trans-Fettsäuren
...entstehen bei der industriellen Verarbeitung, nämlich der chemischen Härtung von Fetten und Ölen, sowie bei zu starkem Erhitzen mehrfach ungesättigter Fettsäuren. Sie erhöhen das LDL-Cholesterin, senken das HDL-Cholesterin und fördern die Entstehung von Arteriosklerose. Transfettsäuren können in Lebensmitteln mit gehärteten Fetten vorkommen. Das können je nach Rezeptur und Zubereitung z.B. sein Blätterteig, frittierte Speisen, Kartoffelchips und andere Snack- und Gebäckartikel.

Bereits im Kindesalter bestehen enge Zusammenhänge zwischen der Ernährung, den Blutfettwerten und der Entstehung von Gefäßwandveränderungen. Deshalb ist schon ab dem 2. Lebensjahr eine Ernährung mit einer günstigen Fettsäurenkombination anzustreben. Diese erreicht man, wenn man pflanzlichen Ölen und Fetten den Vorzug gibt.

Besonders vorteilhaft ist Rapsöl. Aufgrund seiner positiven Eigenschaften sollte es ein fester Bestandteil in der Kinderernährung sein. Rapsöl enthält Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren in einem günstigen Verhältnis. Es ist geschmacklich ansprechend und kann in der Küche vielfältig verwendet werden. Die kalt gepresste Variante eignet sich für Salate, Dips und Rohkostgerichte, das raffinierte Öl zum Kochen und Braten. Sogar beim Backen kann die im Rezept angegebene Butter oder Margarine ganz oder teilweise durch das Öl ersetzt werden.


Quellen und weiterführende Informationen


Download: Fettgehalt.pdfFettgehalt.pdf



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